
Wilhelm Balthasar kam am 2.2.1914 in Fulda als Sohn eines Offiziers zur Welt. Er wuchs als
Halbwaise auf, denn sein Vater fiel als Hauptmann in Frankreich.
Nach der Schulzeit meldete sich Wilhelm Balthasar zur Luftwaffe und gelangte schließlich an
den "Sonderstab W", der Freiwillige für den Einsatz in Spanien sammelte. Bald wurde er - als
Tourist getarnt - in Marsch gesetzt. In Spanien angekommen wurde er erst einmal herumgereicht:
Er flog bei der "A 88" Aufklärung mit Flugzeugen vom Typ He 70, dann kam er zur "J 88", wo er
mit der He 51 Jagd- und Jagdbombereinsätze flog. Schließlich kam er zur 3./J 88, die nun auch
endlich mit der Bf 109 B ausgerüstet war.
Am 20.1.1938 gelang ihm sein erster Luftsieg über eine I-16 "Rata". Den größten Coup landete er aber am 7.2.1938. Francos Nationalspanische Truppen griffen die Stadt Teruel an. Die Republikaner hatten diesen Ort stark befestigt. Dazu gehörte auch eine große Massierung von Fliegerabwehr und Jagdfliegern, die eine große Zahl an Bombern schützen sollten und die Luftherrschaft der Deutschen brechen sollte. Zu Lande und in der Luft entwickelten sich blutige Kämpfe. Die "Roten" griffen die Flugplätze der "Legion Condor" an, die sich verteidigte und wie meistens am Spanischen Himmel, in Unterzahl war. Dennoch konnte Leutnant Balthasar innerhalb von nur sechs Minuten vier feindliche Flugzeuge abschießen.
Während seiner Einsatzzeit in Spanien besiegte er noch zwei weitere Gegner im Luftkampf und brachte es damit auf insgesamt 7 Luftsiege. Für diese Leistung erhielt er als einer von nur 28 Soldaten der "Legion" das Spanienkreuz in Gold mit Diamanten verliehen.
Nach seiner Ablösung kehrte Leutnant Balthasar nach Deutschland zurück, wo er eine Zeitlang
eine Staffel des JG 131 führte und schließlich zum Oberleutnant befördert wurde. Im Juni 1938
wurde er zum JG 2 "Richthofen" versetzt.
Auch im Flugsport machte er sich in dieser Zeit einen gewissen Namen. Im Februar 1939 begann er
einen 40000-Kilometer-Flug rund um Afrika. Er benutzte dazu eine zweimotorige Siebel Fh 104.
Der Kriegsbeginn war eher ereignislos, denn das JG 2 hatte die Aufgabe Berlin zu schützen,
nahm also kaum aktiv am Kriegsgeschehen teil.
Im Dezember 1939 wurde Balthasar zum Hauptmann befördert. Gleichzeitig verließ er das
Richthofen-Geschwader und wurde Staffelkapitän der 7. Staffel des Jagdgeschwaders 27. Als im
Mai 1940 der Feldzug gegen Frankreich begann, begann auch für Balthasar eine Zeit des
Dauereinsatzes. Balthasar, der flugtechnisch sehr ambitioniert war, verbesserte seine
Abschussstatistik nun schnell. Sein erfolgreichster Tag war der 6. Juni, als er gleich 9
gegnerische Flugzeuge zu Boden schickte. Bis zur französischen Kapitulation besiegte er 23 Gegner
im Luftkampf und war damit der erfolgreichste Jagdflieger über dem französischen Kriegsschauplatz.
Dazu kamen noch einmal die 7 Luftsiege in Spanien und 13 am Boden vernichtete Flugzeuge.
Für seinen 30. Abschuss und seine Leistungen als Jagdflieger erhielt er am 14. Juni, dem Tag,
an dem die Deutsche Wehrmacht in Paris einzog, als 2. Soldat das Ritterkreuz verliehen.
Aus dieser Zeit stammte auch sein Ruf als ritterlicher Gegner, denn wenn es ihm gelungen war, einen Gegner über eigenem Gebiet abzuschießen und jener gefangen genommen werden konnte, lud er ihn stets ins Offizierskasino ein. Dort plauderte man dann erst einmal über den Abschuss und ganz unverfänglich über dies und jenes, ehe der Gegner den Weg ins Gefangenenlager antreten musste.
Nachdem Frankreich besiegt war und sich die Luftwaffe auf die "Luftschlacht um England"
vorbereitete, erhielt Wilhelm Balthasar seine Abkommandierung. Er wechselte ins Jagdgeschwader 3
und übernahm die Führung der III. Gruppe.
Seine Einsätze führten ihn jetzt über den Kanal bis nach London, wo die härtesten Luftkämpfe
tobten. Am 4. September wurde er verwundet. Er saß zwar schnell wieder in seiner Maschine,
psychologisch jedoch kam er über diesen Schock - die eigene Sterblichkeit - nie richtig weg.
Bei einem Einsatz am 23. September über London geriet der Schwarm von Balthasar in eine Übermacht von etwa 60 Spitfires. Die Deutschen griffen, da sie ohnehin nicht entkommen konnten, frontal an. Die Leuchtspurgeschosse kreuzten sich, Balthasar hatte jedoch das Glück, dass dem Engländer fehlte und so hatte er den ersten Abschuss in der sich entwickelnden Schlacht gesichert. Nun wollte er die Überlegenheit der Bf 109 im Sturzflug ausnutzen, stieß den Steuerknüppel nach vorne und stürzte zu Boden. Erst im letzten Moment zog er wieder hoch, doch wieder hingen zwei "Spits" an ihm. Im Tiefstflug "einen Meter unter der Grasnarbe" versuchte er die Engländer abzuschütteln.
Ein Gegner blieb jedoch an ihm dran und folgte ihm über Dover, hinaus auf den Kanal. Immer wieder spritzte das Wasser um Balthasars Messerschmitt auf, der immer wieder auswich um nicht getroffen zu werden. Da! Cap Griz Nez kam in Sicht, die französische Küste. Als er sie überflog machte der Brite einen Fehler. Balthasar, der ihn schon nicht aus den Augen lassen konnte um das abgeschossen werden zu vermeiden, sah, wie die Spitfire plötzlich steil nach oben zog und damit Geschwindigkeit verlor. Er warf seine Maschine herum und schoss aus nächster Nähe auf den Engländer. Beinahe rammte er noch dessen Flugzeug, dann stürzte es brennend in den Kanal.
Bis zum 16. Februar 1941 hatte er 29 Luftsiege erzielt, dann kehrte er zum "Richthofen-Geschwader" zurück. Er übernahm, inzwischen Major, den Posten des Geschwaderkommodores. Natürlich flog er weiterhin Einsätze und auch seine Abschusserfolge nahmen weiter zu. Am 27. Juni 1941 meldete er Luftsieg Nummer 39 und 40. Dies brachte ihm schließlich die Verleihung des Eichenlaubes ein, das er als 17. Soldat der Wehrmacht, am 2. Juli erhielt.
In den selben Zeitraum fiel auch die Umrüstung seines Geschwaders auf die neu an die Front kommende Version der Bf 109. Balthasar hatte von diversen "Kinderkrankheiten" der "Friedrich" gehört und beschloss daher diesen Typ erst einmal selbst zu testen, ehe er seine Piloten damit fliegen lassen wollte. Am 3. Juli stieg er also in eine Bf 109 F-4 und startete zum Werkstattflug. Er wollte sein technisches und fliegerisches Wissen und seine Erfahrungen nutzen, um seine Piloten optimal auf die Risiken vorzubereiten, die dieses Flugzeug eventuell in sich bergen könnte.
Er drehte also einige Manöver über dem Flugplatz. Plötzlich tauchten ein paar Spitfires auf.
Balthasar hatte keine Munition in den Waffen und suchte sein Heil in der Flucht. Er flog ein
Ausweichmanöver. Dieses belastete jedoch die Tragflächen so sehr, dass die Holme brachen und
die Messerschmitt "die Ohren anlegte". Beim Aufprall fand Kommodore Wilhelm Balthasar den Tod.
An seinem Flugzeug wurden keinerlei Beschussschäden festgestellt.
