
Alfred
Grislawski wurde am 2. November 1919 in Wanne-Eickel geboren. Er war Sohn eines
Bergmanns und um dieser schweren körperlichen Arbeit zu entgehen, meldete er
sich als Freiwilliger zum Wehrdienst. Er wurde der Luftwaffe zugeteilt. Nach der
Ausbildung zum Jagdflieger erfolgte im November 1940 seine Versetzung zur 9./JG
52, die gerade im verbündeten Rumänien lag. Mit dieser Staffel nahm er am
Balkanfeldzug und an den Luftkämpfen über Kreta teil.
In dieser Zeit
lernte Grislawski Herman Graf kennen, der ihn unter seine Fittiche nahm. Graf
vermittelte seinem neuen Rottenflieger die nötigen Erfahrungen, die man brauchte
um am Himmel zu überleben und zu siegen.
Grislawski
musste dennoch bis zum 1.9.1941 auf seinen ersten Luftsieg warten. Bis zum Ende
des Jahres schraubte er seine Abschusszahl auf 10 hinauf.
Während des Russlandfeldzuges entwickelte sich die 9./JG 52, die bald den Namen "Karaya-Staffel" erhielt, zur besten Jagdstaffel der Luftwaffe. Ausschlaggebend waren vier Piloten, die untereinander auch die dicksten Freunde waren: Hermann Graf, Alfred Grislawski, Heinrich Füllgrabe (1945 abgeschossen) und Ernst Süß (1945 von einem US-Piloten am Fallschirm hängend erschossen). Diese Männer waren aber auch für den Ruf der Staffel verantwortlich, die "unmilitärischste aller militärischen Einheiten" zu sein, denn die Disziplin wurde nicht gerade groß geschrieben. Einmal "lieh" sich einer der vier sogar das Flugzeug von Generaloberst von Richthofen aus, um einen verwundeten Kameraden ins Lazarett zu fliegen.
Doch das
schmälerte die Erfolge natürlich nicht. Grislawski erhielt am 1.7.1942, im Rang
eines Feldwebels, für seinen 43. Luftsieg, das Ritterkreuz.
Grislawski
wurde kurz danach zur Erg.Grp. Ost, einem Schulungsverband, als Jagdlehrer
abkommandiert, um den jungen Piloten seine Erfahrungen zu vermitteln.
Nachdem er im
Oktober 1942 an die Front zurückgekehrt war, wurde er der 7./JG 52 zugeteilt,
bei der sich auch ein neuer, junger Pilot eingefunden hatte. Grislawski nahm
sich diesem jungen Mann an und lehrte ihn, wie einst Graf ihm selbst, die Regeln
des Luftkampfes. Dem Knaben gab er den Spitznamen "Bubi", der volle Name des
Piloten war Erich Hartmann.
Am 6.11.1942
gelangen Grislawski über dem Kaukasus sechs Abschüsse (Nr. 63-68) und am 12.12.
nochmals vier an einem Tag (den 79.-82.). Bald erfolgte die Beförderung zum
Leutnant und auch die Zahl seiner Luftsiege wuchs an. Am 2.2.1943 meldete er den
92. Luftsieg. Die magische Zahl 100 erreichte er am 27.4.1943. In dieser Zeit
nahm seine Staffel an den verlustreichen Kämpfen über dem Kuban-Brückenkopf
teil.
Am 4.6.1943, einen Tag nach seinem 109. Luftsieg, wurde er bei der Explosion einer eigenen Mine verwundet. Nach seiner Genesung holte ihn Graf zu seinem Sonderverband JG Süd/JG 50, mit dem er zur Bekämpfung der amerikanischen B-17 "Flying Fortress" und B-24 "Liberator" eingesetzt wurde. Am 17.8.1943 schoss er die ersten beiden viermotorigen Bomber ab.
Am 6.11.1943
erhielt er sein eigenes Kommando: Er wurde Staffelkapitän der 1./JG 1, wo er
auch mit der Focke-Wulf Fw 190 (A-7, Werknummer 430167, "weiße 1") Einsätze
gegen die US-Bomber flog.
Er erarbeitete
sich den Ruf eines "Viermot-Killers", denn bei fast jeder Feindberührung, die er
hatte, fiel einer der US-Bomber durch seinen Angriff vom Himmel.
Am 24.1.1944
wurde seine Fw 190 selbst getroffen und Grislawski wurde verwundet. Es dauerte
bis Mitte März, ehe er, als Staffelkapitän der 8./JG 1, wieder an die Front kam.
Für seinen "schonungslosen Einsatz" gegen die schweren US-Bomber, erhielt Grislawski, inzwischen Hauptmann, am 11.4.1944 das 446. Eichenlaub. Die Zahl seiner Luftsiege muss zu diesem Zeitpunkt so um die 122 gelegen haben. Im Juli 1944 übernahm er die Führung der 11./JG 53.
Grislawskis Karriere als Jagdflieger endete am 26.9.1944. Bei einem Luftkampf über Münster wurde seine Maschine schwer getroffen. Obwohl er schwer verwundet war, gelang es ihm, sein Flugzeug mit dem Fallschirm zu verlassen. Den Rest des Krieges verbrachte Grislawski im Lazarett.
