
Am 19. April 1922 kam im
kleinen Ort Weissach in Württemberg ein Kind zur Welt, welches den
Namen Erich Hartmann trug und einmal der Jagdflieger mit den meisten bestätigten
Abschüssen der Welt werden sollte.
Die ersten 10 Jahre seines
Lebens verbrachte Hartmann mit seiner Familie in der Stadt Hangscha in
China, wo der Vater eine gut gehende Arztpraxis hatte. 1929 zog die Familie
nach Weil bei Stuttgart. Hartmanns Mutter war sehr flugbegeistert und war
Miteigentümerin einer Klemm 27. So saß der junge Erich Hartmann
bereits mit 14 Jahren zum ersten Mal in einem Segelflugzeug, zwei Jahre
später in einem Motorflugzeug. Nach seinem Abitur trat Hartmann 1940
ins Heer ein und wechselte 1941 zur Luftwaffe.
Seine fliegerische Ausbildung begann durchwachsen. Zwar flog er sich bereits nach
einem Monat frei, dennoch machte er während seiner Ausbildungszeit auch 3 mal
eine Bruchlandung.
Im Oktober 1942 wurde Hartmann,
seit 31. März Leutnant, dann an die Front verlegt, genauer gesagt
in den Kaukasus, zur 7. Staffel des Jagdgeschwaders 52 und wurde Oberfeldwebel
Edmund Roßmann als Rottenflieger zugeteilt. Als es zum ersten Feindflug
kam, ging dem jungen Heißsporn beinahe alles schief. Er löste
sich ohne Erlaubnis von seinem Verband, verflog sich und zerstörte
seine Maschine bei einer Bruchlandung, nachdem er seinen gesamten Treibstoff
verflogen hatte. Und dies alles, ohne ein feindliches Flugzeug beschädigt
zu haben!
So kam es dazu, dass sich der Geschwaderkommodore Dietrich Hrabak den jungen Piloten erst einmal vorknöpfte. Als Folge daraus teilte man Hartmann dem sehr erfahrenen Walter Krupinski zu, der sich Hartmann annahm, wie vielen anderen jungen Piloten. Die Kunst des Jagdfliegens brachte ihm zusammen mit Krupinski auch Alfred Grislawski bei, der die Luftkämpfe über der Ostfront so gut kannte, wie kaum ein Zweiter. Durch ihn lernte Hartmann, dass er das Feuer auf seine Gegner erst dann zu eröffnen hatte, wenn ein Treffer sicher war. Das sorgte auch dafür, dass Hartmann bei seinen Abschüssen einen fast unglaublich niedrigen Munitionsverbrauch hatte.
Grislawski verpasste Hartmann dann auch den Spitznamen "Bubi", den er Zeit seines Lebens trug.
Seinen ersten Luftsieg erzielte Hartmann am 5. November 1942. Dabei schoss er eine russische Il-2 aus nächster Nähe ab. Das Flugzeug explodierte und Teile des Wracks trafen Hartmanns Messerschmitt und zwangen ihn dazu in unmittelbarer Nähe seines ersten Opfers Notzulanden. Noch zwei weitere Male musste Hartmann durch Wrackteile beschädigt sein Flugzeug aufgeben.
Trotz des schnellen ersten
Luftsieges entwickelte sich Hartmann recht langsam. so hatte er im
April 1943 zwar bereits über 100 Feindflüge, jedoch erst 7 Abschüsse
auf seinem Leitwerk stehen.
Am 17. Juli erzielte Hartmann
bei der Offensive bei Kursk 7 Abschüsse.
Einen guten Monat später schoss Hartmann über dem Donezgebiet ein russisches Jagdflugzeug ab, musste jedoch nur Minuten später infolge eines Flaktreffers ebenfalls über feindlichem Gebiet notlanden. Es gelang ihm jedoch sich während eines Stuka-Angriffes aus der Gefangenschaft zu befreien und die eigenen Linien zu erreichen.
Am 29. Oktober erhielt Erich Hartmann anlässlich seines 148. Luftsieges das Ritterkreuz und am 2. März 1944 für seinen 200. Luftsieg, den er inzwischen als Kapitän der 7. Staffel erzielt hatte, das Eichenlaub.
Von nun an stiegen seine Abschusszahlen ständig an: Am 1. Juli 1944 wurde er zum Oberleutnant befördert, drei Tage später verlieh man ihm dann die Schwerter zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Innerhalb von vier Wochen schoss er dann 78 russische Flugzeuge ab. Am 23. August besiegte er acht Gegner, am Tag darauf elf, was ihn auf 301 Luftsiege brachte. Am 25. August verlieh man ihm das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten. Die 7. Staffel des Jagdgeschwaders 52 war zu diesem Zeitpunkt mit 1200 Abschüssen die erfolgreichste der Luftwaffe.
Unter den russischen Piloten war Erich Hartmann als der "Schwarze Teufel" bekannt und die meisten feindlichen Flieger suchten ihr Heil in der Flucht, wenn sie die Messerschmitt mit der charakteristischen schwarzen Nase erblickten.
Im Gegensatz zu Hans-Joachim
Marseille gelang es Hartmann selten mehrere Gegner bei einem Einsatz zu
besiegen, was an seiner Angriffstaktik lag, die in schnellem Zustoßen
und schnellem Abfliegen bestand.
Die Beförderung Hartmanns
zum Hauptmann erfolgte am 1. September 1944 und genau zwei Monate später
wurde er Kommandeur der 1. Gruppe des JG 52.
Im September 1944 heiratete
Hartmann und lies sich den Vornamen seiner Frau "Ursula" auf sein Flugzeug
malen. Die kirchliche Trauung konnte jedoch erst 11 Jahre später gefeiert
werden.
Am
1. März 1945 erhielt Erich Hartmann den Befehl sich in Lechfeld zu
melden, wo er auf die neuen Düsenjäger Me 262 umgeschult werden
sollte. Nach diesem Lehrgang verlegte man ihn jedoch wieder zu seiner Jagdgruppe
zurück, wo Hartmann wieder die Bf 109 flog.
Sein letzter und damit 352.
Abschuss gelang Hartmann am 8. Mai 1945 über Brünn in der Tschechoslowakei.
Kurz vorher war Hartmann noch zum Major befördert worden.
Nach Kriegsende geriet Hartmann in amerikanische Gefangenschaft, wurde aber an die Russen ausgeliefert. Als die Russen merkten, dass Hartmann der gefürchtete "schwarze Teufel" war, hatte er schwere Misshandlungen zu erdulden. Sein Sohn starb in Deutschland, ohne das Hartmann ihn jemals gesehen hatte.
Erst im Jahre 1955 gelang es Bundeskanzler Adenauer ihn und die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus Russland zu holen.
Erich Hartmann betrat am
15. Oktober 1955, inzwischen 33 Jahre alt und nur noch knappe 50 Kilogramm
schwer, erstmals seit über 10 Jahren wieder deutschen Boden.
Hartmann musste sich erst
wieder im Leben zurechtfinden und da das Fliegen alles war, was er nach
dem Schulabschluss gelernt hatte, wusste er, dass er sein Leben nur darauf
aufbauen konnte.
So trat "Bubi" im Herbst
1956 in die Bundesluftwaffe ein und übernahm das Kommando über
das Jagdgeschwader 71 "Richthofen", das mit "F 86" Sabre VI Düsenjägern
ausgestattet war. Am 12. Dezember 1960 wurde er zum Oberstleutnant befördert,
7 Jahre später zum Oberst.
Hartmann wurde zu einem
der ersten Kritikern des berüchtigten "Starfighter" und seine Identifikation mit der
Luftwaffe schwand. Von Januar 1963 bis September 1970 war er dann als Inspizient
der Jagdflieger tätig, bis er dann nach 14 Jahren Bundeswehr seinen
Abschied einreichte, der im zum 30. September 1970 gewährt wurde.
Nachdem er die Luftwaffe
als Oberst verlassen hatte, war er noch längere Zeit in Weil, dem
Ort in dem er seine Jugend verbracht hatte, als Fluglehrer tätig.
