
Erich Rudorffer kam am 1. November 1917 im sächsischen Zwochau zur Welt. Seine Laufbahn begann im Januar 1940 beim Jagdgeschwader 2 und sollte ihn an beinahe alle Fronten führen, an denen das Deutsche Reich jemals Krieg führte.
Die 1. Gruppe des JG 2, zu der er als Oberfeldwebel stieß, lag in Frankfurt/Main und übernahm die Sicherung der Westgrenze des Reiches. Als am 10. Mai der Angriff gegen Frankreich, Belgien, Luxemburg und Holland begann, war auch Rudorffer mit dabei. Seinen ersten Abschuss erzielte er am 14. Mai in Gestalt einer französischen Curtiss 75A. Bis zum Ende des Frankreich-Feldzuges erzielte er noch acht weitere Luftsiege.
Rudorffer wurde am 2. Oktober 1940 zum Leutnant befördert und erhielt am 1. Mai 1941 das Ritterkreuz, anlässlich seines 19 Luftsieges. Im Juni wurde Rudorffer zum Kapitän der 6. Staffel/JG 2. Er war, wie viele der anderen großen Jagdasse ein Spätentwickler und erreichte erst am 6. August 1941 seinen 25. Abschuss.
Im November 1942 verlegte
die 2. Gruppe des JG 2 an die Front in Nordafrika, Rudorffer war als ihr
Kommandeur mit von der Partie. Erst im Februar 1943 zeigte er seine großen
Qualitäten. Am 9. gelang ihm der erste Mehrfachabschuss bei einem
Einsatz: Acht englische Flugzeuge fielen
innerhalb
von 32 Minuten seinen Garben zum Opfer. Am 15. des gleichen Monats waren
es sieben innerhalb von 20 Minuten. Während seiner Zeit in Tunesien
gelangen ihm insgesamt 26 Abschüsse, bis er im April 1943 wieder an
den Kanal verlegt wurde.
Im Juni folgte die nächste
Versetzung und Rudorffer übernahm die Führung der 2. Gruppe des
JG 54 "Grünherz". Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt 74 bestätigte
Luftsiege auf seinem Konto stehen. Über dem Luftraum von Leningrad
schoss er am 24. August innerhalb von nur vier Minuten fünf russische
Maschinen ab. Beim zweiten Einsatz am selben Tag folgten nochmals drei
Abschüsse in sieben Minuten.
Am 11. Oktober waren es
erneut sieben Abschüsse in sieben Minuten. Das beeindruckendste Ergebnis
brachte er am 6. November zustande: 13 Luftsiege in nur 17 Minuten!
Im Winter 1943/44 kämpfte
Rudorffer an der finnischen Front und verdiente sich hier, inzwischen Major,
das finnische Freiheitskreuz und das Ehrenabzeichen der finnischen Luftwaffe.
Am 11. April erhielt er
anlässlich seines 113. Abschusses das Eichenlaub zum Ritterkreuz.
Da die Gruppe in dieser
Zeit vom Stützpunkt Libau aus seine Einsätze flog wurde Rudorffer
von seinen russischen Gegnern respektvoll der "Jäger von Libau" genannt.
Das dieser Respekt nicht
unbegründet war zeigte sich erneut am 28. Oktober 1944, als er, schon
im Landeanflug, diesen abbrach, um eine Formation aus etwa 60 russischen
Schlachtflugzeugen, die den Flugplatz angreifen wollte, so zerrupfte, dass
sie nach dem Verlust von neun Maschinen, innerhalb von nur 10 Minuten,
zur panikartigen Flucht antraten. Alle neun Abschüsse gingen auf Erich
Rudorffers Konto. Auf einem zweiten Einsatz an diesem Tag gelangen ihm
nochmals zwei Abschüsse in zwei Minuten.
Folgerichtig erhielt Major
Rudorffer am 26. Januar 1945 die Schwerter zum Ritterkreuz verliehen. Bis
zu diesem Tage hatte er 210 Gegner im Luftkampf besiegt.
Im Februar übernahm er dann die Führung der 2. Gruppe des Jagdgeschwaders 7, welches mit Me 262-Jets ausgerüstet war. Bis Kriegsende erzielte er auf diesem Düsenjäger nochmals 12 Abschüsse.