Hans-Arnold Stahlschmidt
Hans-Arnold Stahlschmidt wurde am 15.9.1920 in Kreuztal bei Siegen in Westfalen geboren. Seine
militärische Karriere begann an der Flugschule in Salzwedel, wo er die Grundzüge des Fliegens beigebracht
bekam. Weitere Stationen der Ausbildung war die Pilotenschule in Breslau und die Kriegsschule in
Wien-Schwechat. Danach erfolgte seine Versetzung zur 2. Staffel des Jagdgeschwaders 27, das an der
Westfront lag. Dort gelang es dem Oberfähnrich jedoch nicht einen Abschuss zu erzielen.
Im Frühling 1941 verlegte dann die Gruppe nach Afrika. Neben Stahlschmidt war auch ein Oberfähnrich
dabei, der allerdings bereits sieben Abschussbalken auf dem Leitwerk seiner Bf 109 E-3 angebracht hatte:
Oberfähnrich Marseille, der zu einem der besten Freunde und wichtigsten Vertrauten Stahlschmidts
werden sollte. Stahlschmidt wurde Gruppenadjutant.
Der "Kernschuss"
Doch auch auf dem "Schwarzen Kontinent" lief es nicht besonders was Erfolge für Stahlschmidt
anging. Bis zu jenem Tag, als Heereseinheiten ein unbekanntes Schiff in der Bomba-Bucht melden.
Sofort wurde die 2./JG 27 alarmiert und ein Schwarm Bf 109 starteten mit Kurs auf den ominösen
Zweimaster. Sie versuchten mehrere Male das Schiff zu identifizieren, ehe sie von dort aus
beschossen wurden. Sofort erwiderten die Deutschen das Feuer, ohne jedoch große Wirkung zu
erzielen.
Schon drohte die Munition auszugehen und Stahlschmidt flog einen letzten Angriff. Wieder schleuderten
seine Waffen Geschosse auf das Schiff. Plötzlich eine Stichflamme am Heck. Völlig unvermutet. Das Feuer
breitete sich schnell aus und die Besatzung ging von Bord. Kurze Zeit später zerriss eine Detonation
das Schiff.
Die Schiffbrüchigen versuchten zwar zur englisch gehaltenen Küste zu rudern, wurden von den deutschen
Jägern jedoch an deren Küste gedrängt, wo schließlich 14 Mann in Gefangenschaft gingen.
Noch am selben Abend verbreitete Marseille das Gerücht, Stahlschmidt hätte bei seinem letzten Angriff
den Benzinkocher in der Kombüse getroffen und den Schoner damit vernichtet.
Endgültig zum "Seekriegs-Spezialisten" wurde Stahlschmidt, als er ein paar Tage darauf erneut ein
Schiff dazu brachte die Küste anzusteuern und in deutsche Gefangenschaft zu gehen.
Stahlschmidt hatte damit zwar noch kein Flugzeug abgeschossen, dafür hatte er ein Schiff versenkt,
eines aufgebracht und 32 Mann in Gefangenschaft getrieben.
Luftsiege
Schließlich sollte jedoch auch Stahlschmidt seinen ersten Luftsieg erringen können. Die Staffel
war beim Einsatz auf einen Verband aus "Hurricanes" getroffen und es entwickelte sich ein heftiger
Luftkampf im Gebiet von Tobruk. Für Stahlschmidt war es bereits der 8. Einsatz an diesem 15.6.1941.
Er nahm sich, begleitet von seinem Rottenflieger - Feldwebel Förster - einer "Hurricane" an, die
von ihrem Verband abgesprengt war. Der Pilot versuchte in einem waghalsigen Tiefstflug "einen
Meter unterm Dünensand" zu entkommen. Mehrmals kann Stahlschmidt Treffer anbringen und schließlich
zeigte sich Erfolg: Der Engländer rauchte. Trotzdem versuchte er weiter zu flüchten, die beiden
Messerschmitts blieben aber dran. Der Brite tauchte ins Tal von Sollum, wo ihn dann nach 35 Minuten
Flucht das Schicksal, in Form von Stahlschmidts Geschossgarbe, ereilte. Aufschlag!
Die andere Seite
Am 20.11.1941 schoss er drei Gegner ab und erhöhte seine Abschusszahl auf 4. Bis zum Jahreswechsel
folgten nochmals zwei Gegner und bis zum 22.1.1942 waren schließlich 8 Abschussmarkierungen auf
seinem Leitwerk angebracht.
Am 21.2. stieg Leutnant Stahlschmidt in seine Bf 109. Die Deutschen flogen etwa 300 m über einer
Staffel feindlicher "Curtiss"-Jäger. Alles schien - relativ - friedlich. Plötzlich, völlig
unvermittelt, Treffer bei Stahlschmidt. Die 109 drehte sich auf den Rücken und trudelte durch die
feindliche Formation dem Boden entgegen. Der Motor gab gerade noch genug Leistung, um das waidwunde
Flugzeug abzufangen und über Land zu kommen, wo Stahlschmidt mit brennender Maschine eine
Bauchlandung hinlegte.
Sofort sprang er aus dem Cockpit. Als er sich entfernt hatte fiel ihm ein, dass er noch einige
Gegenstände bergen könnte. Also ging er zurück und holte den Fallschirm, das ReVi, die FT-Haube,
die Leuchtpistole und den Inhalt des Gepäckfaches aus dem brennenden Wrack. Dabei suchte er auch
nach den Einschusslöchern im Flugzeug, ohne jedoch welche zu sehen.
Was war geschehen? Während die deutschen noch die Lage sondierten zog eine der Curtiss urplötzlich
steil nach oben, gab einen kurzen Feuerstoß ab und besiegelte damit Stahlschmidts Absturz. Sogar
Marseille, der Augenzeuge war, hielt es für unmöglich, aus dieser Situation einen Abschuss zu erzielen.
Vermutlich war der Pilot dieser Curtiss das australische Fliegerass Clive Caldwell.
Stahlschmidt wähnte sich hinter den eigenen Linien und sah seinen Fehler erst ein, als er von
britischen Granaten beschossen wurde. Sein Glück begegnete ihm dann in Gestalt eines deutschen
Stoßtrupps, der ihn aus dem Niemandsland in eine eigene Pak-Stellung brachte.
Stahlschmidts "Polen-Abenteuer"
Stahlschmidt bekam 3 Tage Pause verordnet, dann stieg er in eine neue Bf 109 F-4 (W.Nr. 8497).
Mit ihr unternahm er - zusammen mit Feldwebel Keppler - einen Begleitschutzeinsatz für einen
Aufklärer. Sie verloren diesen aus den Augen und entschlossen sich zögernd zu einem halbherzigen
Angriff auf eine Fahrzeugkolonne. Dabei erhielt Stahlschmidt Flak-Treffer und musste erneut notlanden.
Mit mehr als 100 km/h rammte er einen LKW, blieb jedoch dabei unverletzt. Dann wurde er aus dem Wrack
gezerrt. Es schlossen sich brutale Schläge an und alles was wertvoll schien wurde ihm geraubt. Zuerst
hatte er gedacht es handle sich um Italiener, die Schläge mit Gewehrkolben jedoch ließen ihn erkennen, dass
er zwischen Polen gelandet war.
Nach einem endlos scheinenden Spießrutenlauf gelangte er zu einem Offizier, der ihn oberflächlich
verhörte und ihm die restlichen Habseeligkeiten abnahm. Schließlich brachte man ihn auf einem LKW
zu den Engländern.
Dort angekommen wurde er erneut verhört. Informationen gab der junge Leutnant jedoch nicht preis.
Stattdessen fütterte er die Briten mit allerlei falschen Angaben. Da führte der Koch der 3. Staffel
die Gruppe und ein "Hauptmann Pampelmus" war Staffelkapitän.
Später brachte man ihn weiter nach "hinten". Während einer Rast gelang ihm dann die Flucht. Schließlich
erreichte er erschöpft und mit aufgerissenen Gliedern die Via Balbia und die dahinter liegende Küste,
wo er vor Erschöpfung einschlief. Als er mittags aufwachte versuchte er dann die eigenen Linien zu
erreichen.
Nach 16 Stunden und mehr als 60 Kilometern erreichte er das Niemandsland. Er sah ein ausgebranntes
Wrack. Es war eine Bf 109. Seine Bf 109, mit der er am 21.2. notgelandet war und bewegte sich weiter
nach Westen. Die Anspannung wich, als er deutsche Worte hörte: "Ja wo kommen Herr Leutnant denn
heute schon wieder her?" Er hatte es geschafft. Er hatte die gleiche Pak-Stellung erreicht, die
er vor Tagen schon einmal "besucht" hatte.
Erfolge
Am 20.4.1942 erhielt Stahlschmidt dann das Deutsche Kreuz in Gold. Dann wieder einmal Pech: Sein Schwarm
hatte sich gerade hinter eine Formation aus "Kittyhawks" gesetzt und Stahlschmidt war in perfekter
Schussposition. Er drückte auf den Auslöser, als es einen großen Knall gab. Eine seiner Waffen hatte
einen Rohrkrepierer und sofort "stank" der Motor. Stahlschmidt musste das Gefecht abbrechen und die
Flucht ergreifen. Wieder eine Notlandung, diesmal allerdings auf eigenem Gebiet.
Dann jedoch kam der Juli und mit ihm Stahlschmidts Erfolge. Er erzielte in diesem Monat 26 Abschüsse
und verbesserte seine Statistik damit auf 43 Luftsiege. Inzwischen hatte er die Führung der 2. Staffel
übernommen.
"Fiffi", wie ihn jetzt alle nannten, war der erfolgreichste "Afrika-Jäger" im Juli - allerdings dadurch
begünstigt, dass sein bester Freund Hans-Joachim Marseille auf Heimat-Urlaub war.
Als jener zurückkam hatte Stahlschmidt das Ritterkreuz (20.8.1942) am Hals baumeln.
September
Am zweiten September war wohl eine der härtesten Luftkämpfe, in die die Gruppe je verwickelt wurde.
Man geriet an einen starken Verband aus "Spitfires" und nahm den Kampf auf. Plötzlich sah Stahlschmidt
einen der Engländer in Schussposition hinter sich. Bevor der jedoch feuern konnte hatte ihn Marseille
abgeschossen und damit Stahlschmidt gerettet. Es dauerte nur ein paar Augenblicke, da konnte sich der
Freund revanchieren, denn nun hatte "Jochen" einen Gegner hinter sich und Stahlschmidt musste ihm
das Leben retten. Beide erzielen in dieser Luftschlacht jeweils drei Abschüsse.
Am folgenden Tag fielen wieder 5 Gegner den Geschossen aus Stahlschmidts Waffen zum Opfer.
Seinen 59. Abschuss - der gleichzeitig der 500. der I./JG 27 war - erzielte er am 6.9.1942. Es
sollte sein letzter sein.
Vermisst
Am folgenden Tag steigt der lebensfrohe Leutnant in seine Bf 109 F-4 "rote 4" und startet mit
drei Kameraden zur Freien Jagd im Gebiet von El Alamein. Sie geraten an zwei Pulks von "Spitfires".
Der Schwarm wird zerschlagen. Zwei Maschinen erreichen den eigenen Flugplatz, eine weitere muss
auf eigenem Gebiet notlanden, Leutnant Stahlschmidt allerdings kommt nicht zurück.
Marseille will sofort starten und den Freund suchen, der Kommandeur hält ihn jedoch zurück. An
seiner Stelle schickt er die 1. und 2. Staffel zum Sucheinsatz. Sie kehren allerdings ohne Spur
zurück.
Stahlschmidts Verschwinden traf Marseille und die ganze Gruppe schwer. Zwar machte man sich noch
Hoffnungen, "Fiffi" würde wieder auftauchen, doch die Wüste gab ihn nicht mehr her.
So blieb sein Schicksal ungeklärt. Zwar wollten die Kameraden seinen Absturz beobachtet haben,
sie widersprachen sich aber grundlegend. Während einer einen Fallschirmabsprung gesehen haben will,
will der andere eine Bauchlandung beobachtet haben. Der dritte sprach von einem brennenden Absturz.
Am 3.1.1944 kam Stahlschmidt nochmals eine späte Ehre zu teil. Posthum beförderte man ihn zum
Oberleutnant und würdigte seine Verdienste mit der Verleihung des 365. Eichenlaubs.
Oberleutnant Hans-Arnold "Fiffi" Stahlschmidt hatte in mehr als 400 Einsätzen
- zum Zeitpunkt seines Verschwindens die meisten seiner Gruppe -
59 Gegner, alle über der Wüste Afrikas, besiegt.
Er war eine der prägendsten Personen der I./JG 27.