Am 15. September 1913 wurde Johannes Steinhoff in Bottendorf bei Roßleben an der Unstrut in Thüringen geboren. 1932 schrieb sich Steinhoff an der Universität Jena für Vorlesungen in den Fächern Germanistik und Sport ein. Er beendete sein Studium im April 1934 und trat als Offiziersanwärter in die Reichsmarine ein. 1935 wechselt er als Oberfähnrich zur gerade enttarnten Luftwaffe. Sein Offizierspatent und seine Beförderung zum Leutnant erhielt der junge Steinhoff am 1. April 1936. Er wurde zum Jagdfliegerpilot ausgebildet und schließlich einer Nachtjagd-Erprobungsstaffel zugeteilt.
Bei Kriegsausbruch war Oberleutnant Steinhoff Kapitän der 10. Staffel des Jagdgeschwaders 26, des einzigen deutschen Nachtjagdverbandes, der zu jener Zeit existierte. Seine Staffel verlegte nach Jever bei Oldenburg, wo mehrere Jagdfliegerverbände zusammengezogen wurden um eventuelle britische Bomberangriffe abzuwehren. Am 18.12.1939 errang "Mäcky", wie er von seinen Freunden genannt wurde, gegen 14.30 Uhr seinen ersten Luftsieg gegen einen Bomber vom Typ "Wellington". Er errang noch einen weiteren Luftsieg, über einen "Blenheim"-Bomber, bevor er die Führung der 4. Staffel des Jagdgeschwaders 52 übernahm und damit zur Tagjagd wechselte. Bevor der Russlandfeldzug begann hatte Steinhoff 8 Luftsiege erreicht. Bis zum 30.8.1941 konnte Steinhoff seine Bilanz auf 35 Luftsiege erhöhen. An diesem Tag wurde er mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet, zum Hauptmann befördert und zum Kommandeur der II. Gruppe des JG 52 ernannt. Am 5. Juli erzielte Steinhoff den 70. Abschuss, am 22. August den 80. und bereits drei Tage später schickte er den 90. Gegner zu Boden. Die magische Grenze von 100 Abschüssen erreichte er am 31. August, was die Verleihung des Eichenlaubs zur Folge hatte.
Am 2. Februar fiel der 150. Gegner seinen Garben zum Opfer. Er wurde zum Major
befördert und übernahm das Jagdgeschwader 77 als Kommodore, mit dem er den
Kampfraum am Mittelmeer kennen lernte. Hier bekam sein Vertrauen in die Führung
den ersten großen Bruch, nachdem Göring den Jagfliegerführer Sizilien
beschuldigt habe die ihm unterstellten Verbände haben bei der Abwehr
feindlicher Bombenangriffe versagt, was in der Forderung gipfelte, aus jeder
beteiligten Jagdgruppe einen Piloten, wegen Feigheit vor dem Feind, vor ein
Kriegsgericht zu stellen.
Obwohl er auch offen für die Verwendung des Düsenflugzeug Me 262 als
Jagdflugzeug und damit gegen die Absicht der Luftwaffenführung und Hitlers
eintrat, folgten seine Beförderungen zum Oberstleutnant und am 1. Oktober 1944
schließlich zum Oberst.
Im Dezember gab die Führung schließlich dem Druck von unten nach und sah ein,
dass die Me 262 sich doch mehr zum Jagdflugzeug eignete. Steinhoff wurde
beauftragt das Jagdgeschwader 7, bestehend aus Me 262 aufzustellen.
Als Teilnehmer an der "Rebellion der Jagdflieger" wurde Steinhoff bald
darauf seines Postens enthoben und Galland, ebenso in Ungnade gefallen, holte
ihn zum berühmten Jagdverband 44. Steinhoff war dort Rekrutierungs- und Einsatzchef und errang in
dieser Zeit sieben Luftsiege mit dem "Turbo".
Zwölfmal war Steinhoff bis zum 18. April 1945 selbst abgeschossen worden und
hatte dabei immer Glück gehabt. An diesem Tag rollte er mit seiner Me 262 zum
Start des 934. Einsatzes. Dabei geriet die Maschine mit dem linken Fahrwerk in einen
Bombentrichter und knallte auf die Startbahn. Dabei entzündete sich der Treibstoff und die Raketen explodierten. Steinhoff
löste brennend den Gurt, sprang aus der Maschine und wälzte sich am Boden.
Mehr tot als lebendig wurde er aus dieser Feuerhölle
geborgen, hatte aber so schwere Brandverletzungen erlitten, dass er vier Monate
lang behandelt werden und dabei über
70 Operationen über sich ergehen lassen musste.
Schwer entstellt, zogen sich die Nachbehandlungen insgesamt zwei Jahre hin. Nach 1952 arbeitete Steinhoff zunächst als Bemaler von Keramik, dann in einer Werbeagentur in München, bevor er zu "Dienststelle Blank" berufen wurde und damit wieder beim Militär landete. 1956 gewann er auf einer Cessna 172 den Deutschlandflug und erhielt den Ehrenpreis des Bundesverkehrsministeriums, sowie die Goldene Plakette des Deutschen Aeroclubs.
Als erster Deutscher bestand er alle Prüfungen auf den amerikanischen Düsenflugzeugen, mit denen die Bundesluftwaffe ausgerüstet werden sollte. Am 1. 10. 1958 erfolgte seine Beförderung zum Brigadegeneral. Er wurde Vertreter bei der NATO in New York und erhielt am 1.12.1961 die Beförderung zum Generalmajor. Er wurde Kommandeur der 4. Luftwaffendivision, die der NATO unterstand. Bei seinen Untergebenen verschaffte er sich immer wieder durch herausragende Flugleistungen Respekt, wenn er selbst in einen "Starfighter" stieg. Die Beförderung zum Generalleutnant erfolgte am 15.5.1965. Gleichzeitig wurde er zum Chef des Stabes beim NATO-Hauptquartier der Alliierten Luftstreitkräfte Mitteleuropa ernannt, wo er sich weiterhin internationales Ansehen verdiente. 1965 verliehen ihm die Amerikaner die Auszeichnung "Pilot des Jahres". Es folgte die Ernennung zum Luftwaffeninspekteur, wo er die Unfallrate bei den "Starfightern" erheblich reduzieren konnte.
1969 unterzog sich Johannes Steinhoff einer weiteren Operation, noch immer als Folge seines Unfalls im Jahr 1945. Bei dieser Operation modellierte ihm ein englischer Chirurg neue Augenlider, was es Steinhoff zum ersten mal, nach 24 Jahren ermöglichte seine Augen zu schließen!
Mit Beginn des Jahres 1971 kehrte Steinhoff erneut zurück zur NATO. Er wurde, inzwischen 4-Sterne General, Vorsitzender des Militärausschusses der NATO. Er erhielt den amerikanischen Orden "Legion of Merit" und die Insignien des Kommandeurs der französischen Ehrenlegion.
