Johannes Wiese




Wiese kam am 7. Mai 1915 in Breslau zur Welt. Zwanzig Jahre später trat er in die Luftwaffe ein und betätigte sich dort drei Jahre als Fluglehrer. Als der Krieg ausbrach war Wiese bei einem Aufklärungsverband. Zur Jagdfliegerei stieß er erst im Sommer 1941, als er in das Jagdgeschwader 52 versetzt wurde.
Etwa ein Jahr später, am 25. Juni 1942 wurde er Staffelkapitän der 2. Staffel. Bis 5. Januar hatte er 51 Luftsiege gesammelt und erhielt dafür als Hauptmann das Ritterkreuz. Während des Unternehmens "Zitadelle", der Schlacht um Kursk, war Wiese beinahe ständig in der Luft. Am 5. Juli 1943 gelang ihm der Abschuss von zwölf russischen Jagd- und Schlachtflugzeugen. Der Preis dafür waren jedoch fünf Notlandungen. Dies zeigt welcher außerordentlichen Belastung die Jagdflieger damals ausgesetzt waren und welche Anforderungen an sie gestellt wurden.

Der Löwe vom Kuban

Am 3. März 1944 erhielt Johannes Wiese das Eichenlaub zum Ritterkreuz, nachdem er 125 Luftsiege errungen hatte.
Während der Kämpfe am und über dem Kuban-Brückenkopf entwickelte sich Johannes Wiese zum Mythos, der unter seinen Feinden bekannter war als unter den Deutschen. Da er unter den russischen Fliegern immer wieder seine Opfer fand hatte er sich gehörigen Respekt unter den Jagdfliegern verdient. Wenn es den Russen bekannt war, dass Wiese in der Luft war, dann warnten sie sich gegenseitig. Sie hatten ihm einen Namen gegeben, der ausdrückte wie groß ihre Ehrfurcht vor ihm war: Sie nannten ihn den "Löwen vom Kuban".

Absprung aus 9000 Metern

Seine Zeit an der Ostfront lief jedoch im Dezember 1944 ab und er wurde zum Geschwaderkommodore des Jagdgeschwaders 77 gemacht.
Doch auch im Westen sollte er nicht sehr lange bleiben. Am 24. Dezember flog er mit seinem Rottenflieger einen Einsatz über Essen. Plötzlich tauchten englische "Spitfires" auf. Im sich entwickelnden, ungleichen Luftkampf verlor Wiese fast sofort seinen Rottenflieger. Nach einigen Minuten schließlich gelang es den Engländern auch Wieses Bf 109 so zu beschädigen, dass er in 9000 Metern Höhe (!) gezwungen war seine Maschine zu verlassen.
Als er am Schirm zu Boden schaukelte riss dieser plötzlich, etwa 80 Meter bevor er den Boden erreichte. Wiese stürzte auf die Erde und verletzte sich dabei so schwer, dass er den Winter über im Lazarett verbringen musste. Sein Nachfolger als Kommodore wurde Oberstleutnant Erich Leie.

Kriegsende

Bei Kriegsende ergab sich Major Johannes Wiese den Amerikanern, die ihn relativ schnell aus der Gefangenschaft entließen.
Im September 1945 jedoch wurde er von deutschen Kommunisten erkannt und an die Russen ausgeliefert. So verbrachte er weitere viereinhalb Jahre in Gefangenschaft.


Nach seiner Entlassung zog er nach Westdeutschland und trat in die in Aufbau befindliche Bundesluftwaffe ein.
Unter anderem war er dort als Gruppenkommandeur tätig, bevor er am 30.11.1970 als Oberstleutnant ausschied.
Johannes Wiese ist ein relativ unbekannter "Experte". Über ihn ist nicht viel geschrieben, obwohl auch er immerhin 133 Luftsiege erringen konnte.