Am
11. März 1913 wurde Wolf-Dietrich Wilcke in Schrimm/Posen geboren. Er trat im
Frühling 1935 in die Wehrmacht ein und tat zunächst Dienst in einem
Kavallerieregiment. Im Oktober wechselte er zur jungen Luftwaffe. Bereits auf
dem Weg zur fliegerischen Ausbildung, die er in Perleberg absolvierte, legte er den
Grundstein zu dem Spitznamen, den er
erhalten und Zeit seines Lebens tragen sollte: "Fürst". Den Namen
trug er aufgrund seines galanten Verhaltes.
Im Frühjahr des folgenden Jahres meldete er sich zur weiteren Verwendung in der
Jagdwaffe, statt dessen jedoch wurde er nach Faßberg auf die dortige
Beobachterschule versetzt. Dennoch schaffte er es zu den Jagdfliegern zu kommen.
Er gelangte zum JG 1 nach Döberitz, wo er He 51 Doppeldecker flog.
Wilcke hatte eine Schwäche für Uniformen und so ließ er sich 1937, allen
Kleidervorschriften zum Trotz, einen langen Ledermantel schneidern, den er zur
Uniform trug. Andere Offiziere, zunächst innerhalb des JG 1, später auch außerhalb
in der ganzen Jagdwaffe fanden diesen Mantel so kleidsam, dass auch sie sich
einen solchen machen ließen. Sogar Generalfeldmarschall von Blomberg gehörte
schließlich zu den Trägern dieses Kleidungsstückes.
Zu Beginn des Jahres 1939 erfolgte Wilckes Versetzung nach Spanien, zur "Legion Condor". Doch bereits im Frühjahr 1939 kehrte er wieder nach Deutschland zurück und wurde zur III. Gruppe des JG 53 abkommandiert, die von einem anderen, sehr erfolgreichen Spanienkämpfer geführt wurde: Werner Mölders. Im September übernahm Wilcke die Führung der 7. Staffel des Geschwaders, welches an der Westfront lag.
In dieser Stellung erzielte er dann auch seinen ersten Luftsieg, als er am 7. November eine französische Potez 63 vom Himmel holte. Am 18. Mai 1940, die Offensive gegen Frankreich lief nun acht Tage, lernte der "Fürst" die andere Seite des Jagdfliegerlebens kennen. Er startete mit seiner Staffel zum Feindflug und stieß auf französische Jäger, die ihn vom Rest der Staffel trennten. Alleine versuchte er sich gegen acht Curtis 75A zu wehren, doch er hatte keine Chance und fand sich kurze Zeit später unter der seidenen Glocke seines Fallschirms wieder. Da sein Ausstieg über feindlichem Gelände stattfand geriet er in Gefangenschaft, aus der er im Juni nach Hause zurückkehrte.
Als er wieder bei seiner Einheit war, Mölders hatte inzwischen den Befehl über
das JG 51 erhalten und seine Gruppe an Hauptmann Harro Harder abgegeben, nahm
Wilcke an der Luftschlacht um England teil.
Während er Luftkämpfe über der Insel wurde Hauptmann Harder abgeschossen und
Wilcke folgte ihm als Gruppenkommandeur nach. Er selbst brachte es bis zum Frühsommer
auf 13 bestätigte Abschüsse.
Das Geschwader verlegte an die gerade entstehende Ostfront und bereits am ersten
Tage des Feldzuges gegen die Sowjetunion gelangen Wilcke fünf Luftsiege. Am 6.
August 1940 erhielt er das Ritterkreuz, nachdem er 25 Gegner in der Luft besiegt
hatte.
Im Dezember verlegte die Gruppe nach Sizilien und nahm an den Kämpfen über
Malta teil, wo Wilcke vier Spitfires abschießen konnte und so sein Konto auf 36
Abschüsse erhöhte.
Am 18. Mai 1942 erfolgte Wilckes Versetzung zurück an die Ostfront, wo er mit
der Führung des JG 3 "Udet" betraut wurde. Am 6. September erreichte
er über dem Südabschnitt seinen 100. Luftsieg, wofür er drei Tage später das
Eichenlaub verliehen bekam. Wilckes Geschwader war es, das über Stalingrad kämpfte
und die deutschen Transportflugzeuge schützte, die sich bemühten die
eingeschlossene 6. Armee zu versorgen. Das JG 3 startete dabei auch von Plätzen
im Kessel aus gegen die Russen. Die Platzschutzstaffel Pitomnik erzielte in
dieser Phase über 100 Abschüsse und das, obwohl sie teilweise nur drei
einsatzfähige Flugzeuge besaß.
Wilcke selbst besiegte am 17. Dezember seinen 150. Gegner, was ihm am Tage vor
Weihnachten die Schwerter einbrachte.
Am 16. Januar verlegte der Stab des Geschwaders ins Reich, um gegen die amerikanischen Bomberverbände eingesetzt zu werden. Oberst Wilcke erhielt ein Startverbot, das nur in seltenen Fällen aufgehoben wurde. Bei den wenigen Einsätzen, die der "Fürst" gegen die US-Bomber flog konnte er vier B-17 und eine Mustang abschießen.
Bis zum 23. März 1944 brachte es Wilcke auf 161 Luftsiege. An diesem Tage führte er den Stabsschwarm zu einem Angriff auf einen einfliegenden Verband von amerikanischen Bombern. Beim sich entwickelnden Luftkampf wurden Wilcke und sein Rottenflieger, Leutnant von Kapherr, von den anderen Maschinen getrennt. Einige Mustangs hefteten sich an die Leitwerke der beiden Messerschmitt-Piloten und schließlich gelang es ihnen die Rotte zu zersplittern. Während der "Kurbelei" bemerkte Oberst Wilcke eine Mustang, die sich hinter seinem Kameraden in gute Schussposition gebracht hatte. Wilcke eilte zur Hilfe und feuerte auf den Gegner.