Das Verhalten des Tigers

Sozialverhalten
Paarung und Nachwuchs
Jagd
Menschenfresser


Sozialverhalten:

Grundsätzlich ist der Tiger ein Einzelgänger und bildet nicht, wie der Löwe, Familienverbände oder Rudel. Er jagt alleine, frisst alleine und herrscht alleine über sein Revier. Die einzigen Ausnahmen sind die Paarung und Mütter mit ihrem Nachwuchs. Tiger beim absetzen einer Geruchsmarkierung an einem Baum
Tiger suchen sich ihre Reviere nach dem Angebot an Wasser, Beute und Deckung aus, je nach Angebot variiert die Reviergröße zwischen 26 und 78, beim Sibirischen Tiger sogar bis zu 120 Quadratkilometern. Zur Markierung benutzt der Tiger Urin und Kot, das Reiben an Bäumen, Büschen und Felsen um seinen Geruch daran zurückzulassen, sowie das Hinterlassen von Kratzmarkierungen. Das Revier eines männlichen Tigers überschneidet sich mit den Revieren mehrerer Weibchen, die dem Männchen dann als potentielle Paarungspartner zur Verfügung stehen.

 

Paarung und Nachwuchs:

Die Geschlechtsreife setzt bei Tigerweibchen im 3. Lebensjahr ein. Beim Männchen dauert es etwas länger, sie kommen erst mit vier Jahren in die Geschlechtsreife.
Ein Tigerpärchen bei einer der zahlreichen Begattungen Die Paarungsbereitschaft der Weibchen ist abhängig von der Temperatur und der Witterung. Sind sie in dieser Phase geben sie dies durch Duftstoffe und lockendes Gebrüll bekannt. In manchen Fällen kann diese Paarungsbereitschaft auch das ganze Jahr über andauern.
Haben sich Männchen und Weibchen gefunden, kommt es zur Paarung, die etwa fünf Tage dauert. Dabei besteigt das Männchen das Weibchen immer wieder in kurzen Abständen. Wie bei vielen Tieren erfolgt der Eisprung nicht von selbst, sondern muss durch Stimulation ausgelöst werden. Hierzu hat das Männchen an seinem Geschlechtsteil eine Art von Widerhaken. Beim Herausziehen stimuliert dieser Haken die Reizbereiche im Weibchen. Dies ist schmerzhaft für das Weibchen und so kommt es dazu, dass sie vor Schmerz brüllt oder sogar nach ihrem Partner schnappt.
Hatte die Paarung Erfolg, bringt das Weibchen, inzwischen wieder alleine, nach etwa 103 Tagen zwei bis drei, in seltenen Fällen auch fünf, Junge zur Welt, von denen oftmals Eine Tigermutter säugt ihren Nachwuchs eines nach der Geburt stirbt. 
Die Tigerbabies kommen blind zur Welt und haben nur etwa ein Kilogramm Gewicht. Die ersten sechs bis acht Wochen werden sie von der Mutter Eine Tigerin mit einem Nachkommen gesäugt, dann werden sie von ihr mit Fleisch versorgt. Die kleinen lernen von diesem Moment an auch selbst die Fähigkeiten, die sie zur Jagd benötigen. Im Alter von 18 Monaten versorgen sie sich dann meist selbst. Sollte die Mutter bis dahin keinen weiteren Nachwuchs zur Welt gebracht haben, so bleiben die Jungen manchmal noch bis zu ihrem 3. Lebensjahr bei ihr. Dieser "Trennungs-Zeitpunkt" ist nicht eindeutig festzulegen, es ist aber zu beobachten, dass männliche Nachkommen ihre Mutter meist früher verlassen, als weibliche. 

 

Jagd:

Die normale Beute für den gestreiften Jäger sind Wildschweine, Gaur-Rinder sowie Samba- und Axis-Hirsche. Dabei handelt es sich um Beute, die zwischen 30 und 900 Kilogramm, manchmal jedoch auch mehr, Gewicht auf die Waage bringt. Der Tiger jagt alleine, so kann er auch keine Treibjagden veranstalten oder sich in großer Zahl auf ein Opfer stürzen. Seine Taktik ist naturgemäß anders als die von Rudeltieren. Er lauert seiner Beute auf, schleicht sich so nahe wie möglich heran und springt sein Opfer dann zumeist von hinten her an. Kleinere oder mittlere Beutetiere werden durch einen Nackenbiss getötet, bei größerer Beute verbeißt sich der Jäger in die Kehle und erstickt so sein Opfer.Ein Königstiger tötet einen Hirsch durch einen Kehlenbiss
Bei sehr großer Beute, wie etwa erwachsenen Gaur-Rindern, die es auf mehr als eine Tonne Gewicht bringen können, muss der Tiger das Opfer im wahrsten Sinne des Wortes "in die Knie zwingen". Zu diesem Zweck zielt er seine Angriffe zunächst auf die Sprunggelenke, bevor er sich daran macht es zu töten.
Hat der Tiger seine Beute erlegt, so schleppt er es ins Unterholz, um in aller Ruhe fressen zu können. Hierbei wird deutlich, welch ungeheure Kraft in dieser Raubkatze stecken, denn es kommt durchaus vor, dass die Beute fünfmal so schwer ist wie der Tiger selbst. Die Raubkatze entfernt zunächst den Magen der Beute, dann fängt er an zu fressen. Normalerweise frisst der Tiger seine Beute nicht auf einmal, sondern in Portionen von jeweils etwa 20 Kilogramm Fleisch. Ein Beutetier reicht dem Tiger also für mehrere Tage, erst dann verspürt er wieder Hunger und den Drang zur Jagd.
Dabei ist klar, je größer ein Beutetier, desto länger ernährt es den Tiger und desto weniger muss er erjagen. Dies wird verständlicher, wenn man bedenkt, dass es manchmal bis zu 20 Angriffe benötigt, ehe der Tiger erfolgreich ist. Der Tiger ist zwar kräftig, doch wenn er es nicht schafft schnell zum Erfolg zu kommen lässt er von seinem Ziel ab und hetzt ihm nicht lange hinterher.

 

Menschenfresser:

Ähnlich wie bei Haien herrscht auch eine große Angst vor, von einem Tiger angegriffen zu werden. In manchen Gegenden hört man auch von Tigern, die immer wieder Jagd auf Menschen machen. Unbestritten ist, dass es eine gewisse, dokumentierte Zahl von Angriffen gibt. Diese Zahl ist jedoch eine äußerst gering. Bei den Tieren, die sich einen Menschen als Beute suchen, handelt es sich in aller Regel um verletzte, kranke, alte Tiere oder um solche, die aus einem anderen Grund nicht in der Lage sind "normale" Beute zu erlegen. Durch das Wachstum der menschlichen Ansiedlungen kommt es zwangsläufig zu Berührungen zwischen Mensch und Tiger, aus denen dann auch manchmal Angriffe erfolgen können.
In Bangladesch gibt es ein Fluss-Delta, in dem etwa 250 Tiger beheimatet sind. Es gibt dort keine Siedlung, dennoch wird das Gebiet vom Menschen als Jagdgebiet und Fischfanggebiet genutzt. Dort kommt es immer wieder zu Tigerangriffen, da sich die Tiere dort scheinbar an die leicht zu erjagende "Beute Mensch" gewöhnt haben. Um sich zu schützen bastelten die Menschen Puppen, die mit Autobatterien verbunden waren. Der elektrische Schlag, den die Tiger im Falle eines Angriffes erhalten soll sie dazu erziehen, den Menschen nicht mehr anzugreifen. Eine weitere, primitive - aber überraschenderweise funktionierende -  Schutzmaßnahme war das Tragen von Masken auf dem Hinterkopf, um eine zweite Vorderseite zu simulieren und die Tiger, die ja bevorzugt hinterrücks angreifen, zu täuschen.