Das IV. Internationale Flugmeeting in Zürich

Am 23. Juli 1937 begann das VI. Internationale Flugmeeting auf dem Flugplatz Dübendorf bei Zürich. Gemeldet waren 152 Flugzeuge aus 14 Ländern, darunter 40 aus Deutschland. Unter diesen 40 Flugzeugen befanden sich auch die fünf folgenden Bf 109:

Bf 109 V-7 D-IJHA Jumo 210 G 730 PS
Bf 109 V-9 D-IPLU Jumo 210 G 730 PS
Bf 109 V-13 D-IPKY DB 601 Rennmotor III 1658 PS
Bf 109 V-14 D-ISLU DB 601 Rennmotor II 1565 PS
Bf 109 B-1
(W.Nr.1062)
- - - Jumo 210 G 730 PS


Die beteiligten Bf 109 nahmen an vier Wettbewerben teil:


Geschwindigkeitsrennen (25.07.1937):


Geflogen wurde ein Viereckkurs von 202 km Gesamtlänge, aufgeteilt auf insgesamt 4 Runden. Da die Franzosen ihre Meldungen zurückzogen blieben noch Ernst Udet mit der V-14 und Gardner (engl.) auf der Percival "Mew Gull" im Rennen. Der Engländer war einverstanden, dass Dipl.-Ing. Francke mit der V-7 nachträglich zugelassen wurde.
Die V-14 hatte Motorschaden in der ersten Runde und Udet musste ausscheiden. Francke gewann den Wettbewerb vor dem Engländer.

Die glücklose Bf 109 V-14, mit der Gen.Maj. Udet nach Motorschaden aufgeben musste

Rang: Pilot: Land: Flugzeug: Motor: Flugzeit
min:sek
Durchschnitts-
geschwindigkeit:
1. Dipl.-Ing. Francke Deutschland Bf 109 V-7 Jumo 210 G (730 PS) 29:35,2 409,64 km/h
2. Gardener Großbritannien Percival Mew Gull Gipsy (205 PS) 34:33,8 350,66 km/h
- Generalmajor
Udet
Deutschland Bf 109 V-14 DB 601 Rennmotor II (1565 PS) Mit Motorschaden ausgefallen

Bei der Siegerehrung verzichtete Francke auf seinen 1. Preis zugunsten des Engländers, um dessen sportliche Fairness zu würdigen.


Steig- und Sturzflugkonkurrenz (25.07.1937):


Dieser Wettbewerb sah folgendermaßen aus: Vom Start weg musste eine Höhe von 3000 m über NN (440 m Platzhöhe Dübendorf) erreicht werden, dann erfolgte der Sturzflug. Das Zielband musste in einer bestimmten Richtung und einer vorgegebenen Höhe von 100 bis 400 Metern über Grund überflogen werden.
Dipl.-Ing. Francke demonstrierte der Konkurrenz die Überlegenheit der Bf 109 V-13. Bereits nach 1:45 Minuten hatte er eine Höhe von 3200 m erreicht. Der anschließende Sturzflug mit einem Winkel von ca 75° war nach weiteren 20 Sekunden beendet. Er hatte dabei mehr als 600 km/h erreicht. Francke siegte in 2 Minuten und 5,7 Sekunden, mit 17,3 Sekunden Vorsprung auf den zweiten Deutschen Teilnehmer, Dipl.-Ing. Schürfeld, der mit seiner Hs 123 noch immer fast 10 Sekunden auf den an dritter Stelle liegenden Tschechen hatte.

Rang: Pilot: Land: Flugzeug: Motor: Flugzeit
min:sek
1. Dipl.-Ing. Francke Deutschland Bf 109 V-13 DB 601 Rennmotor III (1658 PS) 02:05,7
2. Dipl.-Ing. Schürfeld Deutschland Henschel Hs 123 BMW 132 (800 PS) 02:23,0
3. Serg. Perina Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650 (750 PS) 02:32,8
4. Lt. Hlado Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650 (750 PS) 02:35,8
5. Adj. Snobl Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650 (750 PS) 02:44,0
6. Capit. Rucquoy Belgien Fairey Fox Hispano-Suiza (860 PS) 03:02,8
7. Hptm. Bachofner Schweiz C 35 Hispano-Suiza (860 PS) 03:14,8
8. Sous-Lt.Spoelberch Belgien Fairey Fox Hispano-Suiza (860 PS) 03:15,7
9. Maj. Högger Schweiz C 35 Hispano-Suiza (860 PS) 03:34,8
- Serg. Dussant Frankreich Disqualifiziert wegen zu tiefen Überfliegens der Ziellinie

Die Bf 109 V-13, die den Wettbewerb vor der Hs 123 gewann



Alpenrundflug Kategorie A: Einsitzer (27.07.1937):


Dieser Wettbewerb bestand aus einem Dreieck. Die Strecke ging von Dübendorf nach Thun (105 km) und über Bellinzona (125 km) zurück nach Dübendorf (137 km), was eine Gesamtlänge von 367 km ergab. Neben den beiden deutschen Piloten Udet (Bf 109 V-14) und Seidemann (Bf 109 V-9) starteten vier Tschechen (Avia B-534) und ein Franzose (Dewoitine 510).
Auch in diesem Wettbewerb musste Udet frühzeitig die Segel streichen, denn nachdem bereits einer der Tschechen aufgeben musste, brach eine Ölleitung und Udet musste eine Bauchlandung auf einem Feld hinlegen, bei der die V-14 zerstört wurde. Udet selbst kam mit leichten Verletzungen davon.
Sieger wurde schließlich Major Seidemann, der auf allen Teilabschnitten der schnellste war und nach 56 Minuten und 47,1 Sekunden die Konkurrenz auf die Plätze verwies.

Das Siegerflugzeug, die Bf 109 V-9

Rang: Pilot: Land: Flugzeug: Motor:
Flugzeit:
Abschnitt:min:sek
Durchschnitts-
geschwindigkeit:
1. Major
Seidemann
Deutschland Bf 109 V-9 Jumo 210 G
(730 PS)
116:05,8
219:31,3
321:10,0
gesamt:56:47,1
387,4 km/h
2. Leutnant
Hlado
Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650
(750 PS)
118:09,2
221:37,4
323:46,2
gesamt:63:32,8
347,0 km/h
3. Adj.
Snobl
Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650
(750 PS)
118:09,6
222:27,7
324:01,4
gesamt:64:38,7
341,0 km/h
4. Sergeant
Perina
Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650
(750 PS)
118:11,0
222:28,6
324:14,2
gesamt:64:53,8
339,3 km/h
5. Capitan
Robill
Frankreich Dewoitine 510 Hispano Suiza
(860 PS)
119:29,0
224:39,2
324:26,2
gesamt:68:34,4
321,5 km/h
- Generalmajor
Udet
Deutschland Bf 109 V-14 DB 601 Rennmotor II (1565 PS) Notlandung nach Bruch der Ölleitung
- Capitan
Engler
Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650
(750 PS)
Ausgeschieden wegen Notlandung
Abschnitt 1: Dübendorf - Thun; Abschnitt 2: Thun - Bellinzona; Abschnitt 3: Bellinzona - Dübendorf

Nach einem Motorschaden musste Udet die V-14 notlanden. Dabei wurde das Flugzeug zerstört



Alpenrundflug Kategorie C: Ein- oder Mehrsitzer in Dreierkette (27.07.1937):


Spannender als die Einzelkonkurrenz gestaltete sich der Wettbewerb im Formationsflug. Die Deutsche Dreier-Kette lieferte sich mit den Tschechen ein packendes Duell. Die Spannung kam dadurch zu Stande, dass eine der drei Bf 109 von Beginn an mit starkem Ölverlust zu kämpfen hatte und dadurch das Tempo der beiden anderen nicht mithalten konnte. Diese mussten - um die Formation zu halten - die Geschwindigkeit verlangsamen. Dennoch konnten die Deutschen die Führung halten. Dazu kam auch, dass die Tschechen schließlich auch ein Problem bekamen, denn auf der Schlussetappe mussten auch sie wegen eines Motordefekts langsamer fliegen.
Die anderen Konkurrenten, insbesondere die jeweils mit Doppelsitzern angetretenen Belgier und Schweizer, waren chancenlos.

Rang: Besatzung: Land: Flugzeug: Motor:
Flugzeit:
Abschnitt:min:sek
Durchschnitts-
geschwindigkeit:
1. Hptm. Restemeier,
Olt. Trautloft,
Olt. Schleif
Deutschland Bf 109 V-7, V-9, B-1 Jumo 210 G (730 PS)
116:15,0
220:42,3
321:55,4
gesamt:58:52,7
374,8 km/h
2. Lt. Hlado,
Adj. Snobl,
Serg. Perina
Tschechoslowakei Avia B-534 Avia 650
(750 PS)
117:40,6
220:05,4
323:08,4
gesamt:60:54,4
361,2 km/h
3. Lt. Coiral,
Lt. Labreveux,
Serg. Dussant
Frankreich Dewoitine 510 Hispano Suiza
(860 PS)
120:14,3
221:31,0
323:45,8
gesamt:65:31,1
336,0 km/h
4. Cap. de Caters, Major Leboutte IV.;
Sous-Lt. Philippart, Cap. Vanderheyden;
Sous-Lt. de Spoelberch, Lt. Warnez
Belgien Fairey Fox Hispano Suiza
(860 PS)
119:59,5
222:01,9
325:00,0
gesamt:67:01,4
329,1 km/h
5. Hptm. Bacilied, Lt. Sommerholder;
Oblt. Wipfli, Oblt. Romegialli;
Oblt. Frei, Oblt. Mazzuchelli
Schweiz C 35 Hispano Suiza
(860 PS)
121:23,9
224:07,9
326:27,4
gesamt:71:59,2
306,5 km/h
6. Hptm. Nievergelt, Oblt. Burkhard;
Oblt. v.Tscharner, Oblt. Bimme;
Oblt. Hauser, Oblt. Werth
Schweiz C 35 Hispano Suiza
(860 PS)
121:46,6
224:28,3
327:24,6
gesamt:73:39,5
299,0 km/h
Abschnitt 1: Dübendorf - Thun; Abschnitt 2: Thun - Bellinzona; Abschnitt 3: Bellinzona - Dübendorf


Das Abschneiden der Deutschen Flugzeuge und Teilnehmer war überragend. Besonders die Bf 109 Piloten gewannen alle Wettbewerbe, an denen sie teilgenommen hatten. Nur im Alpenrundflug waren die neuen deutschen Jagdflugzeuge nicht die schnellsten, denn die Dreierkette war auf dieser Strecke - wenngleich sie auch den Wettbewerb gewonnen hatte - langsamer als der schnellste Mehrsitzer, die ebenfalls deutsche Do 17 M V-1.
Der ultimative Vergleich zu den modernsten Jagdflugzeugen fehlte aber, denn die modernen britischen Jagdflugzeuge "Hurricane" und "Spitfire" nahmen nicht am Wettbewerb teil.

Die Deutschen Piloten, die nicht gerade das höchste Ansehen besaßen, bemühten sich um ein freundliches, sportliches und kameradschaftliches Auftreten.
Die Luftwaffe zeigte zwar zweifellos, dass sie beeindruckende Waffen besaß, sie wollte jedoch durch ihr Auftreten auch deutlich machen, dass niemand diese Waffen als Bedrohung empfinden sollte.