Professor Dipl.-Ing. Willi Messerschmitt

Prof. Dr.-Ing.
Wilhelm Messerschmitt




Am 26. Juni 1898 wurde Wilhelm Emil Messerschmitt in Frankfurt am Main geboren. 1906, Messerschmitt war 8 Jahre alt, zog er mit seiner Familie nach Bamberg. Messerschmitt besuchte dort das Gymnasium, später dann die Oberrealschule.
Bereits in jungen Jahre erwachte sein Interesse zur Luftfahrt. In seiner Jugendzeit konstruierte und baute Messerschmitt bereits einige Flugmodelle.
1913 lernte Messerschmitt den Bamberger Stadtbaumeister Friedrich Harth kennen, der sich dem Bau von Gleit-Flugzeugen widmete. Harth wurde im darauffolgenden Jahr zum Heer eingezogen. Messerschmitt stand nun, im Alter von 16 Jahren, vor der Aufgabe den neuen, von Harth entwickelten Gleiter "S 5" zu bauen.
Auch wenn der Bau stark von den Anweisungen Harths geprägt war, so war der "S 5" das erste Flugzeug, dass Messerschmitt baute.Im Jahr 1917 bestand Willi Messerschmitt dann das Abitur und wurde kurz darauf ebenfalls zum Militär eingezogen.
Unmittelbar nach Kriegsende begann Willi Messerschmitt mit seinem Studium an der Technischen Hochschule in München. Nebenbei arbeitete er weiterhin mit Friedrich Harth zusammen, der inzwischen bei den Bayrischen Flugzeugwerken als Konstrukteur tätig war.
Im Jahr 1921 entstand dann das erste von Messerschmitt alleine konstruierte Flugzeug, die "S 9". Diese Konstruktion litt jedoch an starken Mängeln bei der Flugstabilität und wurde so kein Erfolg. Der Fehlschlag belastete auch das Verhältnis zwischen Harth und Messerschmitt, die inzwischen ihre eigene Firma in Bischofsheim/Rhön gegründet hatten.
Zwei Jahre später, im Jahre 1923, trennten sich dann die Wege der beiden Konstrukteure. Willi Messerschmitt gründete daraufhin seine erste eigene Firma: Die "Flugzeugbau-Messerschmitt GmbH" in Bamberg.
Nachdem er im gleichen Jahr sein Studium beendet hatte, konnte er sich jetzt voll und ganz der Konstruktion und dem Bau von Flugzeugen widmen.
Es folgten die Segelflugzeuge "S 11" bis "S 14", sowie die Motorsegler "S 15" und "S 16". Mit diesen beiden Motorseglern vollzog Messerschmitt den Schritt zum Motorflug. Die "S 14" sollte das letzte Segelflugzeug sein, das er konstruierte.
Messerschmitt entwickelte nun das Sportflugzeug "M 17" und das bekannte Verkehrsflugzeug "M 18". Dies war das erste Flugzeug, dass er in Metallbauweise ausführte. In den verschiedenen Versionen konnte die "M 18" bis zu 6 Passagiere transportieren.
1927 verkaufte Messerschmitt die Fertigung der "M 17" und "M 18" an die Bayrischen Flugzeugwerke (BFW). Er selbst übernahm dort die Stelle des Technischen Leiters.
1928 entstand bei den BFW das Verkehrsflugzeug "M 20", die insgesamt 16 malM 20 gebaut wurde. Ein weiterer Auftrag von 10 Flugzeugen für die "Luft Hansa" wurde nach dem Absturz zweier "M 20" jedoch storniert, was die BFW in starke finanzielle Probleme stürzte und sie schließlich dazu zwang, im Jahre 1931 Konkurs anzumelden.
Messerschmitt arbeitete in seiner alten Firma, die er weiter hatte bestehen lassen, noch bis 1933 weiter. In diesem Jahr wurden die BFW neu gegründet und Messerschmitt gliederte sein Konstruktionsbüro und die Flugzeugbau-Messerschmitt in die BFW ein.
In dieser Zeit entstanden die Muster "M 27", "M 28", "M 29", "M 31" und "M 35".
Durch die Gründung des Reichsluftfahrtministeriums im Jahr 1933 flatterten der BFW größere Aufträge ins Haus. So zum Beispiel im Jahr 1934, der Auftrag über die Fertigung der "M 37", die unter der Bezeichnung "Bf 108 Taifun" bekannter wurde. Von dieser Maschine, die als der Prototyp aller Bf 108 Taifunheutigen Reiseflugzeuge angesehen werden kann, wurden in drei Ausführungen insgesamt 885 Exemplare gebaut. Nach Kriegsende kamen dazu nochmals 285 Exemplare, die in Frankreich unter der Bezeichnung "Nord 1000" nachgebaut wurden.
Die "Bf 108" wies zahlreiche technische Neuerungen auf, die damals als revolutionär angesehen werden konnten. So verfügte die "Taifun" zum Beispiel über Vorflügel, Landeklappen und ein einziehbares Fahrwerk.
Ebenfalls im Jahr 1934 entstand unter der Leitung von Professor Messerschmitt und Dipl.-Ing. Rethel ein Flugzeug, welches an dem Wettbewerb zur Vergabe des Auftrags über ein einsitziges Jagdflugzeug teilnehmen sollte. An dieser Ausschreibung beteiligten sich Arado mit dem Muster "Ar 80", Focke Wulf mit der "Fw 159", Heinkel mit der "He 112" und die Bayrischen Flugzeugwerke mit der "Bf 109".
Die letzte Entscheidung, zwischen dem Heinkel-Muster und dem Messerschmitt Projekt entschied die "Bf 109" für sich. Sie sollte mit 30573 Maschinen das meistgebaute Jagdflugzeug aller Zeiten werden.
Ebenfalls noch im Jahr 1934 entstand auf den Reißbrettern Messerschmitts und seiner Konstrukteure die "Bf 110". Hierbei handelte es sich um das erste zweimotorige Flugzeug Messerschmitts. Die "Bf 110" wurde der ihr zugedachten Aufgabe als "Zerstörer" in keinster Bf 110Weise gerecht, was aber nicht am Flugzeug lag, sondern darin, dass der Zerstörer die Wendigkeit eines einmotorigen Jägers mit der Reichweite eines Bombers verbinden sollte. Diese beiden Aufgaben waren aber naturgemäß nicht auf einen Nenner zu bringen. Die "Bf 110" bewies ihre Leistungsfähigkeit aber auf vielen anderen Gebieten: als Nachtjäger, Jagdbomber, Tiefangriffs-(Schlacht-)flugzeug, schwerer Jäger und als Aufklärer. Von ihr wurden insgesamt 5762 Exemplare hergestellt.
Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) steckte der deutschen Flugzeugbauindustrie das ehrgeizige Ziel alle Flugrekorde nach Deutschland zu holen. Dem Messerschmitt-Testpiloten Wurster gelang es im Jahr 1937 auf einer hochgezüchteten "Bf 109 B" Serienmaschine den Geschwindigkeitsklassenrekord zu erringen. Im Jahr 1937 entstand dann unter der Projektnummer "Me P 1059" ein Flugzeug, das zwar der "Bf 109" strukturell ähnlich sein sollte, sich jedoch in der Aerodynamik gewaltig von der "Bf 109" unterschied.
Mit diesem Flugzeug, als "Me 209 V-1" bezeichnet, gelang es dem Testpiloten Fritz Wendel am 26.4.1939 mit 755,138 km/h den absoluten Geschwindigkeitsrekord nach Deutschland zu holen. In der Rekordliste der FAI findet sich dieser noch heute, gehalten von der "Me 109 R". Diese Bezeichnung war damals gewählt worden, um den Anschein zu erwecken, dass dieser Rekord mit einer "Bf 109" Serienmaschine erflogen worden wäre.
Im Jahr 1938 beschloss man die Bayrischen Flugzeugwerke in Messerschmitt AG umzubenennen. So erhielten die Messerschmitt-Konstruktionen nunmehr das Kürzel "Me" anstelle des "Bf".
In diesem Jahr erhielt das Messerschmitt Konstruktionsbüro auch die ersten Daten über die bei BMW entwickelten Strahltriebwerke und das RLM forderte Messerschmitt auf, ein Flugzeug für diesen Antrieb zu entwickeln. Es entstand das Projekt "Me P 1065", welches später unter der Bezeichnung "Me 262" zu Weltruhm kam. An sich schon 1942 kurz vor der Serienreife, wurde das Projekt zunächst eingestellt, da, nach der Ansicht der Führung des RLM, der Krieg auch mit den vorhandenen Kolbenmotorflugzeugen zu gewinnen sei.
Im November 1943 wurde dann der revolutionäre Jäger von Hitler zum "Blitzbomber" verdammtMe 262 Schwalbe und obwohl sich der General der Jagdflieger Adolf Galland vehement für eine Verwendung der "Me 262" als Jäger einsetzte, fand das Flugzeug tatsächlich zunächst als Bomber Verwendung, besonders beim KG 54(J).
Aus dieser Einsatzperiode stammt auch der größte Teil der "Me 262" Verluste, da der "Turbo" durch seine außen angebrachte Bombenlast soviel Geschwindigkeit verlor, dass er wieder von alliierten Jägern bekämpft werden konnte.
Erst Anfang 1945 wurde dann, unter Adolf Galland, der erste Jagdverband mit "Me 262" ausgerüstet, nachdem das "Kommando Nowotny" im Sommer 1944 nur einige wenige "Me 262" zur Erprobung als Jagdflugzeug zur Verfügung gestellt bekam. Trotz all dieser Verzögerungen und Fehlleitungen wurden bis Kriegsende noch 1433 Exemplare gebaut.
Parallel zur Entwicklung der "Me 262" entstand der Nachfolger für die "Me 110". Die "Me 210" war zwar augenscheinlich mit der "Me 110" verwandt, dennoch war sie aber einMe 210 komplette Neukonstruktion. Das Flugzeug ging 1941 übereilt in Serie. Fronttauglich war es auf Grund vieler Mängel, besonders bei der Stabilität, eigentlich nicht. Dieses Flugzeug war sehr schwer zu fliegen und so kam es zu einer recht hohen Zahl an Flugunfällen. Die "Me 210" wurde ein großer Reinfall und schadete Messerschmitts Ruf erheblich.
Messerschmitt bekam das Muster jedoch mit seinen Konstrukteuren noch so hin, dass es einsetzbar war. Dennoch wurde die "Me 210" im Jahr 1943 nochmals umkonstruiert und umbenannt. Das entstandene Modell trug die Bezeichnung "Me 410" und unterschied sich von seinem Vorgänger durch einen längeren Rumpf und stärkere Triebwerke. Ansonsten waren sich die Muster ziemlich gleich. Die Leistungen der "Me 410" überzeugten und das Vertrauen der Truppe in Messerschmitt Flugzeuge erreichte beinahe wieder das alte Niveau. Die "Me 410" sollte das letzte Kolbenflugzeug sein, dass sich als Aufklärer über England bewegen konnte.
Me 323 GigantEine weitere bekannte Konstruktion des Messerschmitt-Teams war 1940 der riesige Lastensegler "Me 321", der vollkommen zurecht den Beinamen "Gigant" erhielt. An dessen Konstruktion war Willi Messerschmitt selbst jedoch nicht beteiligt, ebenso wenig wie bei der Umkonstruktion der "Me 321", die 1942 das sechsmotorige Transportflugzeug "Me 323" hervorbrachte.
Die Firma Messerschmitt brachte noch ein weiteres ungewöhnliches Flugzeug zur Me 163 KometSerienfertigung: die "Me 163 Komet". Obwohl das Flugzeug die Bezeichnung "Me" trägt, hatte Messerschmitt mit dessen Konstruktion nicht das geringste zu tun, denn der Raketenjäger wurde von Professor Lippisch konstruiert und lediglich bei Messerschmitt produziert.
Doch auch die größtenteils überragenden Flugzeuge Messerschmitts konnten am Kriegsverlauf nichts ändern. Nach der deutschen Kapitulation wurde Professor Messerschmitt bis 1947 interniert.
Anschließend befasste sich Willi Messerschmitt mit verschiedenen Projekten. So entwickelte er Konzepte für Fertighäuser, Kraftwerke und Nähmaschinen.
In den 50er Jahren konstruierte Messerschmitt dann den legendären Messerschmitt "Kabinenroller", der seine Herkunft vom Flugzeugbau nur schwer leugnen konnte. Er erinnerte eher an ein Flugzeugcockpit auf Rädern als an ein Auto.
Ab 1952 widmete sich Messerschmitt auch wieder der Luftfahrt. So entstanden bei der spanischen Flugzeugfabrik Hispano Aviacion das Trainingsflugzeug "Ha 100", so wie die Strahlflugzeuge "Ha 200" und "Ha 300".
Als die Bundesluftwaffe entstanden war übernahm die Messerschmitt AG die Überholung und Wartung der "T-6" Trainingsflugzeuge. Auch an der Lizenzfertigung der Fiat "G.91" war die Messerschmitt AG beteiligt. Das größte Nachkriegs Flugzeugbauprojekt war jedoch die Lizenzfertigung des berüchtigten Lockheed "F-104 Starfighter".
Die Fertigung der modernen Flugzeugmuster brachte das nötige Know-how für die Konstruktion des Senkrechtstarters "VJ 101", woran sich auch Messerschmitt selbst beteiligte.
Im Jahre 1968 fusionierte dann die Messerschmitt AG mit der Bölkow-Gruppe. Im folgenden Jahr stieß dann die Luftfahrtabteilung des Hamburger Konzerns Blohm. Diese drei Unternehmen bildeten nun die Messerschmitt-Bölkow-Blohm-Gruppe, kurz MBB genannt.
Professor Messerschmitt bekleidete den Posten des Ehren-Aufsichtsrats-Vorsitzenden der MBB und beteiligte sich bis ins hohe Alter immer an den Projekten des Unternehmens.


Am 15. September 1978 verstarb Professor Dr.-Ing. Willi Messerschmitt im Alter von
80 Jahren in München.
Er ging als revolutionärer Pionier der Luftfahrt in die Geschichte ein.