Deutsch: gut - wie kann das sein?

Immer wieder habe ich Bewerbungsmappen vor mir liegen, die dann natürlich auch Zeugnisse enthalten. Gerade im aktuellen Fall bewirbt sich ein junger Mann um eine Ausbildungsstelle im Handwerksbereich. Hier einige Auszüge - natürlich unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte:

“Ausbildungsplatz Zum Flaschner”
“…habe ich ein Betriebspraktikum gemacht “als” Flaschner, Daduch ist meine Interesse”
“…ermöglichen könnten für ein Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen”

Das komplette Anschreiben besteht aus einem Satz…jedenfalls im Hinblick auf die Interpunktion. Kein Punkt, zwischendurch mal vereinzelte Kommata. Auch neue Buchstaben wurde eingeführt, so besteht das “m” nicht aus zwei “Bögen”, sondern aus dreien. Dafür hat sich der Kamerad immerhin über den Beruf “infomiert”.

Ich möchte mich hier nicht über Rechtschreibschwächen oder ähnliches lustig machen. Nichts liegt mir ferner. Was ich jedoch kritisiere ist die Benotung im letzten Schulzeugnis. Hier findet sich doch tatsächlich ein “gut”. Hier muss man sich doch fragen, wie kann das “gut” sein?

Gut vielleicht im Hinblick auf eine individuelle Entwicklung oder gut im Rahmen der sprachlichen Möglichkeiten des Schülers. Aber unter einer guten Beherrschung der Sprache verstehe ich dann doch etwas anderes.

Ein Dank dem Fürther Winterdienst

Auch wenn es nicht viele Betroffene lesen werden, möchte ich die Gelegenheit nutzen und dem Fürther Winterdienst für die hervorragende Arbeit in den letzten Tagen, in denen das “Schneechaos” uns fest im Griff hatte und die Welt drohte unterzugehen, danken.

Unbestritten waren es wieder einmal die Fürther, die ihren Kollegen aus der Nachbarstadt Nürnberg, der “Metropole”, um Längen voraus waren. Besonders fällt mir das immer auf dem Weg zur Arbeit auf. Hat es über Nacht geschneit, ist trotzdem meistens bereits um halb sieben die Würzburger Straße geräumt, ebenso wie die Hafenstraße und die Südwest-Tangente. Letztere zumindest bis zur Stadtgrenze. Dort wo nämlich die Zuständigkeit der Nürnberger beginnt, merkt man den Unterschied.

Wie früher beim Durchfahren der Transitautobahnen, ändern sich hier die Straßenverhältnisse schlagartig. Sogar die “Tangente” ist dick mit plattgefahrenem Schnee bedeckt. Noch nicht mal den Ring hat der Winterdienst frei geräumt…von Nebenstraßen wollen wir mal gar nicht erst reden. Jedenfalls mag man sich fragen, warum dies so sei und ob die freie Reichsstadt keinen Winterdienst hätte…oder ob sie vielleicht nicht mit Schnee gerechnet hätten.

Da passt es gut ins Bild, dass man vor einigen Tagen in der Zeitung lesen konnte, dass sich die Fahrer von Räumfahrzeugen in Nürnberg beschimpfen lassen müssten…nun, ich kann das nachvollziehen. So einen schlechten Winterdienst und so schlechte Straßenverhältnisse lassen es nicht verwunderlich sein, wenn die Volksseele kocht.

Mir bleibt nur noch die Fürther zu loben, dafür dass sie es schaffen, die Hauptverkehrsadern der Stadt frei zu halten. Danke, danke, danke…

Hilfe, es ist Winter!

Temperaturen von -4 Grad und Schneefall im Laufe dieser Woche hatten die Panik ganz gewaltig angeheizt - wobei der Schnee da eigentlich schon wieder hätte schmelzen müssen. Von “Schneechaos” war und ist die Rede. Ja, vereinzelt wurde sogar zum Anlegen von Nahrungsvorräten aufgerufen und geraten das Haus nur in Notfällen zu verlassen.

Hallo??? Geht es noch? Wir haben Januar, also Winter. Da darf es schneien! Wenn ich auch kein Schnee-Freund bin, was denselben auf der Straße angeht, aber gleich den Katastrophenfall auszurufen, nur weil ein paar Zentimeter Schnee liegen? Unglaublich…

Nein, es handelt sich hier um “ganz normalen Winter”. Es ist noch nicht mal extrem kalt…das hatten wir um Weihnachten rum. Aber jetzt liegt einfach nur Schnee. Von Katastrophen und Panik sind wir weit, weit weg. Weder gab es Schneestürme, noch spektakuläre Lawinenabgänge. Nur weil wir in den letzten Jahren recht milde Winter hatten, ist das noch lange kein Grund davon auszugehen, dass es im Dezember 25 Grad haben muss.

Früher wünschte man sich noch “weiße Weihnacht” und sang noch “Schneeflöckchen, Weiß-Röckchen, wann kommst du geschneit…” und “Winter ade, scheiden tut weh…” - heute bekommen wir Angst, wenn nur eine Flocke vom Himmel fällt. Ganz Deutschland scheint da das Autofahren zu verlernen…und alles nur wegen ein bisschen Schnee.

Dann doch lieber Klimakatastrophe oder wie?

Ade 2009

Wieder einmal ist es soweit, Weihnachten ist überstanden und schon gehört das alte Jahr zum alten Eisen. Die Zeit der Jahresrückblicke und so möchte auch ich mal etwas auf das auslaufende Jahr zurückblicken.

2009 stand ja ganz im Zeichen von mehr oder weniger großen Katastrophen. Zunächst die allgegenwärtige Finanzkrise. Man sah schon Systeme stürzen, Regierungen zusammenbrechen und überall Anarchie herrschen. Doch es kam anders. Dank so toller Einfälle wie der Abwrackprämie und des 2010 kommenden “Wachstumsbeschleunigungsgesetzes” haben wir uns zumindest unseren Staat und unsere Regierung erhalten. Man muss sich fragen, was da nun das kleinere Übel sein würde. Die Abwrackprämie jedenfalls hat zur Folge, dass die Autowerkstätten in Zukunft drastische Umsatzrückgänge erwarten müssen, da Neuwagen weniger oft in Reparatur müssen, als ältere Autos, und dass die Verkaufszahlen für Neuwagen in den kommenden Jahren nachlassen werden, weil jeder schon ein neues Auto hat. Doch dafür beschert uns das Wachstumsbeschleunigungsgesetz doch nun den verringerten Mehrwertsteuersatz auf Übernachtungen in Hotels. Auch etwas schönes. Angesichts leerer Staatskassen…

Doch auch die Schweinegrippe war ein beherrschendes Thema. 12.000 Tote soll sie weltweit gefordert haben. Lasst uns das doch mal einordnen. Knapp 4.500 Menschen starben allein in Deutschland im Straßenverkehr, eine “normale” Grippewelle fordert allein in Deutschland zwischen 8.000 und 11.000 Tote, laut UN sterben pro Tag etwa 25.000 Menschen an Unterernährung und allein die Zahl der Selbstmorde in Deutschland liegt bei etwa 10.000 Personen pro Jahr. Dagegen nimmt sich die Schweinegrippe vergleichsweise harmlos aus. Aber mit der entsprechenden Panikmache seitens Regierungen - beziehungsweise den Lobbyisten der Pharmaindustrie - und den bereitwillig helfenden Medien kann man Massen an Medikamenten verkaufen und so eine menge Geld in die Taschen weniger spülen. Ich selbst bin übrigens nicht geimpft - und ich lebe.

In Afghanistan verzeichnet die Bundeswehr in diesem Jahr 80 Anschläge auf ihre Soldaten. In einem Konflikt, der bereits länger dauert als der 2. Weltkrieg, und in dem ein komplettes Wertesystem gegen das des Westens ausgetauscht wird, doch auch kein Wunder. Aber es ist ja auch kein Krieg, obgleich es alles gibt, was man dazu braucht: Luftangriffe, Panzer, Kollateralschäden, Partisanen, Hinterhalte, Sprengfallen - und neuerdings ja auch wieder einen dynamischen Feldherren im Dienste Deutschlands. Heldenhafte Posen beherrscht unser Verteidigungsminister zu Gutenberg aus dem Eff-Eff: Leger im Hemd, gerade aufgerichtet über den hockenden Soldaten im Hubschrauber stehend, den Arm ausgestreckt um die Richtung des Angriffes zu weisen - oder sich festzuhalten - und eine zu allem entschlossene Miene auf. So wurden früher die Kriegshelden gemalt…es fehlte nur noch das Pferd für unseren aristokratischen Helden.

Die größte Katastrophe des Jahres 2009 wird sich allerdings erst im kommenden Jahr auswirken, was unsere Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache ja ebenfalls verkünden wird: “…wir müssen uns auf noch härtere Zeiten einstellen, die Krise ist noch nicht überstanden…” - dieser Meinung bin ich auch, schließlich dauert eine Legislaturperiode in der Regel vier Jahre. Vier Jahre den Chaos Regierungs Club im Bundestag. Herr Brüderle, der sich beklagt, dass er vor der Presse stehen müsse, wohingegen Schäuble sitzen könne, Herr Westerwelle, dessen Englischkenntnisse ihn natürlich zum Außenminister prädestinieren und einheitliche Uneinigkeit in der Koalition. Himmel hilf! CDU, CSU und FDP - drei Parteien, die in unterschiedliche Richtungen an uns Bürgern ziehen und zerren. Steuererleichterungen ja, damit das Loch in der Kasse noch größer wird und wir in zwei Jahren die Steuern noch mehr erhöhen müssen. Mehr “Eigenverantwortlichkeit” im Gesundheitssystem - sprich Sozialabbau. Und über allem eine Witzfigur von Bundespräsident und eine Kanzlerin, die sich lediglich darauf festlegt, sich auf nichts festzulegen. Sich in US-Senat und vor Klimagipfel stellt und große Reden schwingt, aber nicht einmal selbst mit gutem Beispiel vorangeht und Zeichen setzt. Zu dieser Frau fällt mir nur noch ein: “Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.” Es hätte ja schlimmer kommen können, siehe Italien.

Nun, das Jahr 2010 wird noch einige Überraschungen bereithalten. Wollen wir hoffen, dass sie nicht ganz so schlimm werden, wie zu befürchten ist.

Robert & Ich

Wie so manchen hat mich der Selbstmord Robert Enkes doch ziemlich betroffen gemacht. Nach zwei Abenden, die ich darüber nachgedacht habe, habe ich doch einige Parallelen - wenn auch nicht in dem Maße, wie das bei Enke gewesen sein musste - zu einer Zeit in meinem Leben festgestellt.

Auch ich hatte eine Phase, in der ich - ja, vielleicht nicht wirklich an krankhafter - Depression litt, so aber doch eigentlich permanent am Boden, antriebslos und nur noch funktionierend war. Angemerkt - und das ist die große Parallele zu Enke - dürfte mir das kaum einer haben. Viele Fragen sich jetzt auch “Warum hat niemand den wirklichen Zustand Enkes bemerkt?” Die Antwort ist einfach: Er wollte das nicht.

Mit der Zeit entwickelt man seine Schutzmechanismen, gleich einer Mauer, die man um sich herum aufbaut. Eine Maske, ein Panzer. In meinem Fall war es so, dass ich trotz latenter Depression (wie gesagt, keine Ahnung ob das in meinem Fall schon als Krankheit gelten konnte) jeden Tag pünktlich in die Arbeit gegangen bin, dort nicht nur meine Pflicht getan habe, sondern das auch noch kontaktfreudig, umgänglich, lachend und scherzend tat. An den Wochenenden stand dann stets das Highlight auf dem Programm, die Spiele meiner SpVgg, die mir Flucht von daheim, wie Kraftquelle gleichermaßen waren. Scheinbar wie bei Robert Enke, nur auf der anderen Seite des Stadionzaunes.

Keiner der vielen Freunde und Bekannten dürfte damals auch nur im Ansatz gemerkt haben, dass ich mich an den Abenden, wenn ich alleine war, mit ganz anderen Dingen beschäftigt hatte. Beileibe nicht der lustige, lockere, starke Kerl war, als der ich mich versucht hatte auszugeben. An jenen Abenden war ich der einsamste Mensch auf dieser Erde mit dem schwersten Leben der Welt - auch wenn mein Leben im Vergleich zu anderen wohl noch als luxuriös zu bezeichnen war und auch meine Probleme anderen wie ein Witz vorgekommen wären.

In dieser Zeit habe ich mich auch mit dem Thema auseinander gesetzt, wie es wäre einen Strich zu ziehen. Doch am Ende kam es - in der Rückschau - zum Glück nicht dazu. Ich hatte einige wenige echte Freunde, die mir in dieser Zeit beistanden. Ich traf zudem in dieser Zeit auch noch zwei Personen, die meine “Mauer” im Handstreich genommen hatten und so zu besten Vertrauten wurden, die mir Kraft gegeben haben und mir geholfen haben, aus dieser Phase keinen Dauerzustand werden zu lassen. Doch es gehörte wohl auch eine Portion Glück dazu, dass ich noch immer einen Silberstreifen am Horizont sehen konnte.

Und hier hören die Parallelen zum Schicksal des Keepers spätestens auf. Offenbar war er nicht in der Lage sich wirklich helfen zu lassen. Vielleicht war es auch nur Glück, ich weiß es nicht. In jedem Fall kann ich ein Stück weit mitfühlen, in welcher Lage Enke gesteckt haben muss. Und das ist auch der Grund, warum mich sein Schicksal in diesem Maße berührt, wie es das tut. Robert Enke ist quasi ein Vergrößerungsspiegel, der mir meine - bis heute nicht ganz verheilten - Wunden (sonst würde es mir schließlich nichts mehr ausmachen, daran zurück zu denken) wieder vor Augen führt.

An dieser Stelle möchte ich meinen Freunden danken, dass sie mir geholfen haben, aus dieser Nummer heraus zu kommen.

Robert Enke ist tot

Auch wenn ich am Privatleben Robert Enkes nicht mehr teilgenommen habe, als bei (fast) jedem anderen Fußballspieler in dieser Welt, traf mich die heutige Nachricht vom Tode des Hannoveraner Torhüters unvorbereitet und nachhaltig.

Mit Robert Enke verliert der deutsche Fußball einen großartigen Sportler, doch dies ist nur eine Randnotiz. Scheint der Verlust für den Fußball bereits groß, wie schwer mag er für die Hinterbliebenen sein?  Ich denke es gibt nichts, was man seiner Frau im Moment tröstliches sagen oder tun könnte. Für sie muss es die Hölle auf Erden sein, hatten Robert und Sie doch vor etwa drei Jahren erst ihre zweijährige Tochter verloren. Ich bin nun wahrlich nicht auf den Mund gefallen und gerade in schreiberischer Hinsicht finde ich stets die Worte um das auszudrücken, was ich sagen will. Doch in diesem Fall fehlen mir die Worte.

Ich bin so voll von Mitgefühl für seine Frau und die weiteren Hinterbliebenen. Das hier ein Torwart gestorben ist, das ist die wahre Randnotiz. Da die näheren Umstände noch nicht geklärt sind, möchte ich mich hier nicht an Spekulationen beteiligen. In jedem Fall aber ist die Wunde bei den Hinterbliebenen um ein Vielfaches größer als die des Fußballs…und selbst die ist schwer zu verkraften. Doch der Fußball wird drüber weg kommen, die Familie nicht.

Frau Enke, ich wünsche Ihnen alle Kraft dieser Welt…mehr liegt nicht in meiner Macht.

20 Jahre Mauerfall

Zwanzig Jahre ist es inzwischen her und die Kinder von heute wissen nichts mehr von deutscher Teilung, von Mauer und Stacheldraht, von Reiseverboten, West-Paketen, Stasi und Schießbefehlen.

Ich selbst - Jahrgang 1979 - habe zwar auch “nur” als Zehnjähriger den Fall der Mauer erlebt, doch ich bin irgendwie jedesmal ergriffen, wenn ich im Fernsehen Dokumentationen verfolge über den Mauerfall, über die letzten Stunden der deutschen Teilung und die Geschehnisse drumherum.

Mir läuft es kalt den Rücken hinunter, wenn ich die Szene sehe, in der eine hysterische Frau die Grenzsoldaten und Volkspolizisten anbrüllt, sie wolle doch nur einmal durch das Brandenburger Tor laufen, sie würde auch ganz bestimmt wieder kommen, zurück zu ihren Söhnen, die bei der Armee und Lehrer in “dieser, unseren Republik” waren. Oder wenn ich wieder die Bilder vor die Augen geführt bekomme, auf denen sich die Menschenmassen feiernd durch die Grenzübergangsstellen in Berlin drängen, zwischen seltsam störend wirkenden Grenzsoldaten hindurch, die dem Ganzen augenscheinlich fassungslos zusahen.

Dabei kommt mir auch wieder die Geschichte Harald Jägers in den Sinn, der damals als Oberstleutnant derjenige war, der an der Bornholmer Straße als erster die Tore hat öffnen lassen. Auf eigene Faust und ohne Befehl oder Erlaubnis dazu. Es mutet unermesslich an, welche Verantwortung in diesem Moment auf den Schultern dieses Mannes und der anderen Befehlsgeber an der Grenze gelegen haben muss. Nur ein Moment der Unbesonnenheit, nur ein Soldat, dem der Finger “gezittert” hätte und der 9. November 1989 wäre in einem Debakel geendet.

Oberstleutnant Jäger - alleine gelassen von seiner Führung, die von den Folgen Schabowskis Pressekonferenz selbst nichts ahnte - traf damals die Entscheidung die Schlagbäume zu öffnen. Aus der Rückschau die richtige Wahl, doch wäre das DDR-Regime damals nicht untergegangen, hätte dies für ihn schwerwiegende Konsequenzen haben können. Tief bewegt hat mich seine Schilderung, in der er zugab, nachdem er den Befehl zur Einstellung der Kontrollen gegeben hatte, er sich zum Heulen hatte zurückziehen wollen. Heute sei er ein “bisschen Stolz” auf seine Tat. Ich kann nur sagen, dass man diese Entscheidung nicht hoch genug respektieren kann, in diesem Moment so eine Entscheidung zu treffen, wer sonst kann behaupten, ähnliches erlebt zu haben?

So ist es - unter allen gebotenen Einschränkungen anderer Taten der DDR-Grenzsoldaten - in diesem Moment wohl auch nicht unangebracht, für das Handeln in jener Novembernacht den Hut zu ziehen und den Männern Respekt zu zollen, die so die Nerven behalten haben und die richtige Entscheidung gefällt haben. Die richtige Entscheidung für die Menschen an der Grenze, in der DDR und ganz Deutschland.

Lange Nacht der Wissenschaften

Gestern waren wir bei der “Langen Nacht der Wissenschaften“, die von einer ganzen Menge von Firmen, Instituten und sonstigen Einrichtungen in Erlangen, Fürth und Nürnberg durchgeführt wurde. Ich muss ja zugeben, zuerst war ich wenig begeistert von der Sache, doch Mareike hatte angekündigt meine Wenigkeit “einzupacken” und zu gehen. Nun gut.

Wir entschieden uns, auf die Möglichkeit ,den ÖPNV kostenlos zu nutzen, zu verzichten und stattdessen das Auto zu nehmen, um flexibler und schneller zu sein. Wie wichtig diese Entscheidung war, sollte sich bald zeigen.

An der ersten Station, der Bäckerei “Der Beck” in Erlangen-Tennenlohe, schlüpften wir erst mal in lustige weiße Mäntelchen und Häubchen, ehe wir uns die drei Produktionsstätten für a) Brot, Brötchen und Laugengebäck; b) Biobackwerk und Steinofenbrote; sowie c) Feingebäck ansehen konnten. Erfreulicherweise gab es dann ofenfrische Brezen und einen noch warmen Krapfen…die erstaunlicherweise besser schmeckten, als wenn man das Zeug in der Filiale gekauft hätte.

Station zwei war dann das “Siemens Airport Center” in Fürth-Bislohe. Hier war der Andrang schon größer und so dauerte es erst einmal eine geschlagene halbe Stunde, ehe wir überhaupt mit unserer Besuchergruppe anfangen konnten. Die vorgestellten Bereiche waren zwar interessant, doch die Enttäuschung war die schlechte Organisation. Im Eingangsbereich fanden gleichzeitig Demonstrationen von Check-In-Technik, biometrischen Identifikationen, Fingerabdruck gesteuertem Boarding, Gepäckannahme, Sicherheitstechnik, Parkleitsystemen und weiterem statt, ohne Konzept oder Reihenfolge.

Die einzelnen “Guides” schickten einen immer dorthin, wo gerade frei war…bei der Masse an Menschen nicht gerade einfach. So entschlossen wir uns - wie auch zwei Studenten, die anfangs in unserer Gruppe waren - die Sache abzukürzen. Wir übersprangen einige Stationen und schlossen uns gleich einer Gruppe an, die auf Helme wartete, um die Gepackabfertigungsanlage, die zu Demonstrationszwecken in einem Bereich des Gebäudes aufgebaut war, zu besichtigen. Die leisen Stimmen der einzelnen “Guides” sorgten dafür, dass man auch hier nur die Hälfte mitbekam. Aber interessant war es dennoch und eine Dose Red Bull gab es auch - nebst Gummibärchen und Schokolade, die wir während der Warterei gebunkert hatten.

Da die Zeit nun doch schon reichlich fortgeschritten war, entschieden wir uns für eine letzte Station, beziehungsweise dazu, Mareikes Kernthema zur letzten Station zu machen. Wir fuhren in die Fürther Straße, wo das Gehörloseninstitut Bayern Informationen zum Thema Gehörlose anbot. Mareike, die derzeit einen Gebärden-Sprachkurs besucht, wollte dort ihre Lehrerin besuchen. Gesagt, getan! War dann - zugegebenermaßen - auch recht interessant, als die Lehrerin und eine weitere Gehörlose aus ihrem Leben “plauderten” und damit einen Überblick über die Gebärdensprache gaben. Wieder was gelernt - und das, besonders wichtig für mich - ohne mich dabei zum Affen gemacht haben zu müssen.

Alles in allem ein durchaus netter Abend, bei dem wir Einblicke bekommen haben, die man sonst ja nicht so ohne weiteres bekommt.

Happy Birthday, Grete…

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Grete Schickedanz…wir freuen uns bekannt geben zu dürfen, dass dein Lebenswerk nunmehr liquidiert werden wird.

Ironie des Schicksals: Just am 98. Geburtstag der Fürther Unternehmerin titeln alle Zeitungen damit, dass der Insolvenzverwalter des Arcandor-Konzerns, zu dem auch das von Gustav und Grete Schickedanz aufgebaute Versandhaus “Quelle” gehört, keine Möglichkeit mehr sieht, das Traditionshaus am Leben zu erhalten. Die Liquidation des Fürther Versandhauses scheint unausweichlich.

Traurig aber wohl wahr, nachdem diverse Managementfehler zum schleichenden Niedergang des Konzerns geführt haben, kommen einmal mehr die schuldigen mit Abfindungen davon, während für tausende Mitarbeiter der Gang in die Arbeitslosigkeit ansteht.

Mir fehlen weitere Worte…ein schwarzer Tag für Fürth, ein noch schwärzerer für die Betroffenen.

Hast du schon GEZahlt?

Ich finde es immer schauerlicher, wofür man im Rahmen der GEZ-Gebühren heute zur Kasse gebeten wird. Vorweg: Ich finde das System an sich ok, sofern sich die Programmdirektoren daran halten.

Wenn man sich allerdings heute die Programme von ARD, ZDF und deren Ablegern ansieht, muss man sich schon mal fragen, wieviel % man davon mittragen möchte. Gut, dass es nicht 100% dem individuellen Geschmack entsprechen kann, ist ja logisch. Die Tatsache, dass ich nicht auf Hansi Hinterseer oder den Musikantenstadl stehe, ist ja mein Problem. Das auch Bevölkerungsgruppen, die vielleicht nicht zur sogenannten “Werberelevanten Zielgruppe” gehören, obgleich sie inzwischen schon einen beachtlichen Anteil der Gesellschaft ausmachen, durch die öffentlich-rechtlichen Sender “subventioniert” werden, lasse ich mir auch noch irgendwie eingehen.

Was ich jedoch nicht verstehe, ist die offene Konkurrenz zu den Privatsendern. Warum muss man sich hier für teures Geld die Moderatoren abjagen - Geld, das wir alle bezahlen MÜSSEN? Warum muss man die Formate 1:1 kopieren? Warum dann in einer gleich alles vernichtenden Überzahl? Allein das ZDF kommt auf neun wöchentliche Koch-Shows, die ARD steuert noch Tim Mälzer bei. Doch dazu kommen dann ja noch die “versteckten” Kochsendungen in den diversen Magazinen. Nun kopiert das ZDF mit “Mein Superschnäppchen-Haus” die diversen Umbau-Doku-Soaps der privaten Sender.

Wie viele platte Soaps und Telenovelas führen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten im Programm? Hier kommt die ARD auf vier tägliche Soaps, zuzüglich den wöchentlichen Serien wie der Klassiker “Lindenstraße”. Das ZDF bietet immerhin zwei tägliche Sendungen auf. Alle kosten Geld. Unser Geld. MEIN Geld. Das ist das, was mich auf die Palme bringt.

Immerhin findet man im Spätabendprogramm noch die ein oder andere sehenswerte Sendung wie “Satire-Gipfel” (Ex-Scheibenwischer) oder “Neues aus der Anstalt”, diverse Magazine mit journalistischen Themen (im Gegensatz zum Boulevard bei RTL & Co.).

Politik-Talkshows - das gleiche Thema:  Wozu viermal das gleiche Format? Moderatoren fragen, Politiker reden sich um die Frage rum. Geldverschwendung, Zeitverschwendung.

Rechne ich einmal zusammen, wieviele Sendungen der ARD und ZDF ich die Woche über sehe, da sage ich nur eines: Warum MUSS ich zahlen, wenn nur Schrott kommt?

Die Aufgabe der Presse - und dazu gehört das Fernsehen - ist es (im öffentlich-rechtlichen Bereich besonders) zu informieren und auch zu kontrollieren. Doch im derzeitigen Programm findet das kaum noch - oder bestenfalls als Alibi - statt. Dafür ständige Gebührenerhöhungen, das finde ich schlicht für eine Frechheit!